Peruanische Küche: Ein kulinarischer Wegweiser für Peru

Peruanische Küche? In Peru gibt es doch nur Meerschwein, oder? Nun, wer so denkt, hat sich nicht nur getäuscht, sondern hat auch einiges verpasst. Seit 2012 wird Peru von den WORLD TRAVEL AWARDS als beste kulinarische Destination ausgezeichnet. Nicht Frankreich, Italien oder Japan – sondern Peru. Warum das so ist und welches die 10 besten Gerichte der peruanischen Küche sind, zeige ich dir in diesem Artikel.

 

Peru, ein Schlaraffenland für Feinschmecker

Meine liebsten peruanischen Speisen lauten: Ceviche, Ají de Gallina, Lomo Saltado, Causa und Anticucho. Der kulinarische Schatz des Landes beginnt in den Tiefen des Ozeans und geht bis auf 4.000 m Höhe. Nicht umsonst hat Starkoch Virgilio Martínez das “Höhenmenü” entwickelt, welches er in seinem Restaurant CENTRAL in Lima kredenzt. Die biologische Vielfalt Perus ist der hauptsächliche Grund für die vielen köstlichen Gerichte. 

 

Was wäre das Nationalgericht Ceviche ohne Fisch? Im Meer tummeln sich allerlei Sorten Fisch- und Meeresfrüchte – darunter Tintenfische, Garnelen, Jakobsmuscheln, Krebse, Austern und Hummer. Sandige Wüsten verwandeln sich in lebendige Oasen, in denen exotische Früchte wachsen: Mandarinen, Bananen, Melonen, Feigen und Granatäpfel – um nur einige wenige zu nennen. Im Süden findet man Olivenbäume und grenzenlose Weingebiete. Der berühmte Traubenschnaps Pisco stammt aus Peru. In den grünen Tälern und an den Berghängen der Anden wachsen Bohnen, Mais, Kartoffeln, Quinoa, Chia, Kiwicha, Süßkartoffeln und denkbar vieles mehr. Über 3.000 verschiedene Kartoffelsorten soll es in Peru geben. Von den Osthängen der Anden geht es kontinuierlich in Richtung Regenwald. In den Yungas gedeihen Avocados, Lucuma, Papayas, Kaktusfrüchte, Kakao und Kaffee. Der Regenwald selbst beherbergt einen Schatz an Früchten, Knollengewächsen, Wurzeln und Süßwasserfischen.

 

Vor circa 15 Jahren hätte man sich als Peruaner noch für seine Küche geschämt. “Arme-Leute-Essen” –  so hieß es. Heute wird die peruanische Küche auf Händen getragen, sie gilt als Symbol für nationale Identität und findet im Ausland hohe Anerkennung. Die WORLD TRAVEL AWARDS küren Peru seit 2012 zur besten kulinarischen Destination weltweit. Zum Erfolg der peruanischen Küche hat vor allem Koch- und Nationalheld Gastón Acurio beigetragen, der gemeinsam mit anderen Köchen die “Cocina Novaandina” (Neue Andenküche) erfunden hat. Er besitzt in Lima das Sternerestaurant “Astrid & Gastón” sowie rund 40 peruanische Restaurants weltweit. Wegen ihm möchten viele junge Peruaner am liebsten Koch anstatt Fußball-Profi werden. 

 

Peruanische Küche: Kulturelle Prägungen

Die Inka waren Genies in der Produktion und Lagerung von Lebensmitteln. Sie erforschten, auf welchen Höhen welches Gemüse und Getreide wächst und wie man Kartoffeln möglichst lange haltbar macht. Das Stichwort lautet: chuños. Das sind gefriergetrocknete Kartoffeln, die aussehen wie weiße Steine. Das Inka-Korn Quinoa ist der perfekte Lieferant von Eiweiß und Zutat in traditionellen Suppen. Mais nutzten die Inka für das Mais-Bier Chicha und für zahlreiche Speisen.

 

Mit der Invasion der Spanier transformierte sich die peruanische Küche aufs Neue. Die Spanier brachten Milch, Käse, Getreide, Schinken, verschiedene Fleischarten, Rezepte für Eintöpfe, sowie Melonen, Äpfel, Pfirsiche, Zwiebeln und Knoblauch ins Land – darunter die Zitrusfrucht Limette, die wohl wichtigste Zutat im Nationalgericht Ceviche.

 

Auch afrikanischen Einflüsse spiegeln sich heute in einer Vielzahl von peruanischen Gerichten wieder, wie beispielsweise den Anticuchos oder dem Cau-Cau. Einen weiteren und sehr großen Einfluss hatten auch die Einwanderer aus Asien, deren Küche in Peru als “Chifa” bekannt ist. Die Chinesen brachten Reis, Sojasoße, Ingwer und den Wok ins Land. Hier zeigt sich das Zusammentreffen der kulinarischen Welten am Beispiel vom Küchen-Klassiker “Lomo Saltado”. 

 

Wer einmal richtig in die peruanische Küche abtauchen möchte, der sollte sich im September nicht die Food-Messe Mistura an der Costa Verde in Lima entgehen lassen. Restaurants, Lebensmittel-Produzenten sowie die typischen Straßenstände präsentieren ihre Spezialitäten. Umrahmt wird die Mistura von viel Live-Musik und farbenfrohen Tänzern.

 

10 Gerichte der peruanischen Küche

 

Nummer 1: Ceviche

Mais-Bier Chicha ist ein Fischgericht von der Küste und das Nationalgericht Perus. Dabei handelt es sich um rohen Fisch, der in Limettensaft „gekocht“ wird. Es schmeckt sauer, leicht scharf und würzig und wird kalt serviert. Dazu gibt es meist eine Süßkartoffel („camote„) und Mais. Als kleiner Umtrunk wird die sogenannte „leche de tigre“ (Tigermilch) getrunken, in die man ein paar getrocknete Maiskörner eintauchen kann. Ceviche gehört zu jeder Peru Reise dazu und wenn du die Möglichkeit hast, dann genieße das Gericht in peruanischer Gesellschaft.

 

Peruanische Küche

Ceviche ist das Nationalgericht der Peruaner

 

Nummer 2: Lomo Saltado

Lomo Saltado ist eines der bekanntesten Gerichte der peruanischen Küche. Es basiert auf gebratenem Rindfleisch, roten Zwiebeln, Tomaten und Backkartoffeln, die mit einer würzigen Soße und Reis serviert werden. Auf dem Foto ist ein vegetarisches Lomo Saltado zu sehen. Denn wer möchte, kann das Fleisch ganz einfach durch Pilze ersetzen. Es schmeckt mindestens genauso lecker!

 

Lomo Saltado ist ein klassisches Gericht der peruanischen Küche

Lomo Saltado ist ein klassisches Gericht der peruanischen Küche

 

Nummer 3: Aji de Gallina

Ají de Gallina ist ein sehr leckeres und pikantes Gericht aus Huhn in einer cremig-würzigen Soße. Diese Soße besteht aus Aji (eine Art Chili), Erdnüssen, Käse, Trocken-Kekse und etwas Milch. Dazu gibt es Reis, Kartoffeln, Ei und Olive. Wundere dich übrigens nicht: in Peru isst man Kartoffeln und Reis zusammen.

 

Ají de Gallina in der peruanischen Küche

Ají de Gallina ist besonders beliebt bei Peru-Reisenden

 

Nummer 4: Causa

Causa ist eine typisch peruanische Vorspeise. Dabei handelt es sich um einen würzigen Kartoffelsalat, der sich aus verschiedenen Schichten zusammensetzt. Du kannst Causa mit Hühnchen zubereiten oder vegetarisch mit Gemüse deiner Wahl. Ich persönlich liebe Causa und habe den leckeren Kartoffelsalat schon mehrere Male zubereitet.

 

Peruanische Küche Gerichte

Causa ist eine beliebte Vorspeise in Peru

 

Nummer 5: Rocotto Relleno

Rocoto Relleno ist eine peruanische Speise, bekannt aus der Region Arequipa. Die würzig gefüllten Rocotos (scharfe Paprika) repräsentieren die Vulkane der weißen Stadt. Der überbackene Käse stellt die Schneegipfel dar und die feurige Schärfe das Temperament der Arequipeños.

 

Rocoto Relleno

Wer es scharf mag, wird Rocoto Relleno lieben!

 

Nummer 6: Papa a la Huancaina

Papa a la Huancaina wird meist als Vorspeise gereicht, macht aber sehr satt und kann bestenfalls geteilt werden. Hierbei handelt es sich um Kartoffeln, die mit einer cremigen Soße aus Aji gereicht werden. Dazu ein Salat, ein gekochtes Ei und zwei Oliven.

 

Peruanische Küche: Papa a la Huancaina

Eine beliebte Vorspeise in Peru: Papa a la Huancaina

 

Nummer 7: Anticuchos

Hierbei handelt es sich um gegrillte und aufgespießte Rinder- oder Hühnerherzen (oftmals auch mit normalem Rindfleisch oder Hühnchen), die mit einer Kartoffel und einer scharf-würzigen Soße serviert werden. Anticuchos gibt es an Straßenständen, wenn du jedoch einen empfindlichen Magen hast, dann isst du den herzhaften Snack lieber in richtigen Restaurants.

 

Anticuchos ist ein typisches Straßengericht in der peruanischen Küche

Anticuchos ist ein typisches Straßengericht in der peruanischen Küche

 

Nummer 8: Cuy

Cuy ist die Bezeichnung für Meerschwein und ja: die Peruaner essen wirklich Meerschweinchen. Cuy ist keine typische Alltagsspeise, sondern vielmehr eine Speise bei besonderen Anlässen. In den meisten touristischen Restaurants steht Cuy in verschiedenen Variationen auf der Speisekarte. Entweder „al horno“ (aus dem Ofen) oder „a la brassa“ (vom Spieß).

 

Peruanische Küche: Meerschweinchen

Es ist wahr: Peruaner essen Meerschweinchen

 

Nummer 9: Trucha 

Trucha ist ein Fischgericht mit Forelle. Dieses probierst du am besten am Titicacasee, denn die Forellen werden dort frisch geangelt. Aber auch in anderen Andenstädten findest du das leichte Fischgericht, welches mit Reis und frittierten Kartoffeln gereicht wird.

 

Trucha

Trucha ist ein leichtes Fischgericht aus den Anden

 

Nummer 10: Pachamanca

In den Anden versammeln sich Bauern und Familien auf ihren Feldern, um mit einer Pachamanca die erfolgreiche Ernte und das Zusammensein zu zelebrieren. Dabei handelt es sich um ein typisches Fleisch- und Kartoffelgericht aus einem Erdofen. Manchmal kann man als Reisender an einer Pachamanca teilnehmen.

 

Pachamanca aus der peruanischen Küche

Pachamanca ist ein Erdofengericht

Hola, ich bin’s Nora.
Reiseautorin & Fotografin
Mehr über mich

Dieser Reiseblog ist für dich. Du findest auf diesen Seiten landesweite Reiseberichte, Vorschläge für Reiserouten, Planungshilfen und eine Fülle an Tipps für alles, was das Reiseherz begehrt: Dazu gehören lokale Reiseagenturen, Unterkünfte, Packlisten, Infos zum Thema Geld, Restaurant-Tipps, usw.

 

Alles, ja wirklich ALLES, was ich jemals geschrieben habe, findest du in meinem Archiv.

 

Folge mir auf Facebook, Instagram & Pinterest.

 

Buen viaje!

Dieser Blog ist für alle, die eine Reise nach Peru planen, die sich inspirieren lassen möchten von der Vielfalt, die Peru zu bieten hat, die einfach nur neugierig sind, Reiseberichte lesen möchten, oder für alle, die selbst schon in Peru waren und sich zurück versetzen wollen in eine Zeit, die so lebendig, so bunt, so erfüllt und so reich an Erlebnissen war. ~ Nora

4 Kommentare
  • Petra

    29. Juni 2015 at 21:00 Antworten

    Toller Beitrag, Nora!
    Er weckt so viele tolle Peru Erinnerungen und Geschmäcker :) Ich liebe besonders Ceviche, Trucha, Alpkasteak :)
    Zu Cuy habe ich eine lustige Geschichte: wir waren in einem Lokal und ich hatte keine Idee, was ich essen wollte. Der Kellner empfahl mir Picante de Cuy, sprach allerdings sehr undeutlich. Ich stimmte zu und war der Meinung, dass ich irgendetwas „picantes“ mit „curry“ bestellt hatte. Ich war etwas erschrocken, als dann ein Meerschweinchen auf auf meinem Teller lag :) Es schmeckt gut – ist allerdings nicht zu empfehlen, wenn jemand hungrig ist, wenn die Chance besteht, beim vollen Teller zu verhungern, weil so mühsam zu essen :)
    Dein Ceviche Rezept werde ich ausprobieren – ich bin gespannt :)
    Liebe Grüße
    Petra

    • Nora

      30. Juni 2015 at 10:57 Antworten

      Hallo Petra,

      schön, dass es doch noch geklappt hat mit deinem Kommentar.
      Ich habe diese Captcha-Funktion jetzt ausgestellt. Besser so! :)

      Hahaha lustig was du schreibst! Du hast wirklich recht, an so einem Cuy ist wirklich nicht viel Fleisch dran.

      So ähnlich ist es mir in meiner ersten Zeit in Peru auch ergangen. Ich habe damals 2011 ein Praktikum gemacht und bin mit meinen Kolleginnen jeden Tag in ein einheimisches Restaurant gegangen. Meine Mitarbeiterin Maria wollte immer Scherze mit mir machen und hat mir nie verraten, wenn sich im Essen Hühnerfüße oder Innereien befanden. Ich fand das weniger lustig aber Maria ist so stolz auf ihre peruanische Küche, sie wollte einfach, dass ich alles probiere :)

      Wann bist du wieder in Peru?

      Saludos
      Nora

  • Jenny

    13. März 2018 at 10:58 Antworten

    Danke nora. Bist ne gute seele, guter christ👍

  • Jens

    22. Februar 2019 at 11:46 Antworten

    Ich bin leider nie dazu gekommen Cuy zu essen. Das nächste mal.

Kommentar senden