Tarapoto & Arequipa: Auf den Spuren „echter Bio-Schokolade“ in Peru

Ich bin ein Schoko-Junkie. Doch die Art und Weise wie ich Schokolade konsumiere hat sich in den letzten Jahren um 180 Grad gedreht. Aufgewachsen bin ich mit Milka und der Vorstellung, lila Kühe hätten etwas mit Schokolade zu tun. Zum Nikolaus gab es stets einen großen Schoko-Weihnachtsmann und zu Ostern einen Schoko-Osterhasen. Für mich war Schokolade immer so selbstverständlich wie Käse und Brot, nur mit dem Unterschied, dass Schokolade besonders schnell dick und süchtig macht.

 

In den letzten Jahren bin ich nicht nur durch feucht-heiße Regenwälder gestiefelt, auf der Suche nach Kakao-Früchten, sondern habe auch an Schokoladen-Workshops teilgenommen (In Arequipa mit Chaqchao), bei denen ich gelernt habe, wie aus so einer Kakao-Frucht eine vollwertige Tafel Schokolade entsteht. Höchste Zeit also der Schokolade einen Artikel zu widmen ;)

 

Wächst Schokolade auf Bäumen?

Was Schokolade ist und vor allem was Schokolade nicht ist, das habe ich erst in Peru begriffen. Während meiner ersten Reise durch die Region San Martin in Nordperu habe ich eine Kakao-Plantage bei Tarapoto besucht. Für mich, die Deutsche, die Schokolade mit lila Kühen und Osterhasen verbindet, war dieser Ausflug in den Dschungel längst mal überfällig. Da stiefel ich also durch den feucht-heißen Bergregenwald und sinniere über die Frage, ob Schokolade in diesen Breitengraden nicht sofort davon schmelzen müsste. Es zirpt und zischt und raschelt aus allen Richtungen, Moskitoschwärme finden mich so unwiderstehlich wie ich eine Tafel Vollmilchschokolade. Nach einem halbstündigen Fußmarsch durch den Dschungel kommen wir zu einer Lichtung. Hier soll sie sein, die Schokolade. An den Ästen hängen braun-rote und etwas schrumpelig dreinschauende Früchte, die Kakao-Früchte.

 

Auf „Kakao-Spurensuche“


Kakao-Früchte in den Regenwäldern von Tarapoto

 

Benedicto, Kakao-Bauer dieser Plantage, öffnet mit seiner Machete eine der reifen Früchte, und was soll ich sagen, mit Schokolade hat das nun wirklich gar nichts zu tun. Ich sehe weißes Fruchtfleisch, doch darunter befinden sich die begehrten Kakao-Samen, die sich später in das braune flüssige Gold verwandeln. Zunächst einmal darf sich jeder einen glitschigen Kern in den Mund stecken, um sich von dem süß-fruchtigen Geschmack zu überzeugen. Sehr lecker, aber immer noch kein Anzeichen von Schokolade.

 

Und so sieht die Kakao-Frucht von Innen aus …

 

Später kehren wir in das kleine Dorf San Roque de Cumbaza zurück, wo mir auf dem zentralen Platz ein widerlicher Geruch in die Nase steigt. Es stickt nach vergammeltem Obst, ich könnte vor Ekel davonrennen. Wie ich erfahre, handelt es sich dabei um die Kakao-Kerne von eben, die nun fröhlich in der prallen Sonne vor sich hin fermentieren. Erst nach diesem Arbeitsschritt können die Kakao-Bohnen in der kleinen Fabrik Ecowarmi geröstet und geschält werden. Durch das Walzen der Bohnen entsteht eine Kakao-Masse, die aus Kakao-Pulver und Kakao-Butter besteht.

 

In der kleinen Schokoladenfabrik „Ecowarmi“ in San Roque de Cumbaza (Tarapoto)

 

Und was ist nun das Geheimnis einer echten Schokolade?

Im Prinzip setzt sich eine hochwertige Schokolade aus drei Komponenten zusammen: Reinem Kakao, Kakao-Butter und Zucker (bestenfalls natürlicher Fruchtzucker). Und das war’s. Mehr braucht eine Schokolade nicht um schmackhaft zu sein. Selbst auf die Kakao-Butter könnte sie verzichten. Keine Milch, kein Vanille-Aroma, keine Farbstoffe, keine Konservierungsstoffe, kein Industriezucker. Mit einem Lächeln auf den Lippen überreicht uns Benedicto ein Schokoladen-Herz, eingepackt in Papier. Voller Neugierde öffne ich das kleine Paket, rieche an dem Herz und mir steigt ein erdig-fruchtiges Schoko-Aroma in die Nase. Ich beiße ein Stück ab und lasse es auf der Zunge zergehen.

 

„Ich schmecke nicht nur Schokolade, ich schmecke den gesamten tropischen Regenwald, jeden einzelnen Arbeitsschritt und die Liebe, mit der dieses Stück Schokolade produziert wurde.“

 

Dieser Moment macht mich glücklich, denn ja, dafür ist Schokolade da. Schokolade spendet Energie und schüttet Glückshormone aus. Ich bin dankbar für diesen „Realitäts-Shift“ und gleichzeitig stelle ich erstaunt fest, dass eine Herzens-Portion Schokolade völlig ausreicht. Mein Verlangen ist gestillt und der herbe Geschmack hallt nach wie guter Wein.

 

„Schokolade macht weder süchtig noch dick, auch das habe ich in Peru gelernt.“ 

 

Schokolade selber machen mit Chaqchao in Arequipa

Nun machen wir einen kleinen Sprung vom nördlichen Tarapoto ins südliche Arequipa. Während meines letzten Besuchs in der weißen Vulkan-Stadt habe ich doch tatsächlich jemanden kennen gelernt, der noch verrückter nach Schokolade ist als ich. So verrückt, dass das Tattoo einer Kakao-Frucht seinen Unterarm schmückt – Javier Chavez.

 

Javier Chavez, Gründer von Chaqchao

 

Javier ist Gründer der Schokoladen-Fabrik „Chaqchao“ in der Calle Santa Catalina 204. Bevor wir uns überhaupt kennen lernten, saß ich schon in seinem Café mit aufgeklapptem Macbook, einem Cappuccino und einem Brownie, den ich vom ersten Bissen an als den „besten Brownie, den ich jemals gegessen habe“ vergöttere. Mein Ernst ;)

 

Javier ist als Kind direkt neben einer Schokoladenfabrik aufgewachsen, kein Wunder vielleicht, dass der Brownie so gut schmeckt?

 

Die Leidenschaft für Schokolade entflammte erst so richtig, als er beim Besuch einer Schokoladen-Fabrik in den USA feststellte, dass die verwendeten Kakao-Bohnen aus Peru stammen, seinem Heimatland. Und wenn die Amerikaner mit Kakao-Bohnen aus Peru edle Schokolade herstellen, warum sollte er das nicht auch in Peru tun?

 

Im Schokoladen-Workshop Chaqchao


Beste Bio-Schokolade mit 70% Kakao-Anteil

 

So kam das Schokoladen-Business ins Rollen. Chaqchao ist nicht nur eine Fabrik, wo hochwertige Bio-Schokolade produziert wird, sondern auch ein Ort, wo das Wissen und der Sinn für echte Schokolade vermittelt wird. In einem Schokoladen-Workshop lerne ich nicht nur, wie aus einer Kakao-Bohne Schritt für Schritt hochwertige Schokolade wird, sondern auch wie ich „falsche Schokolade“ von „echter Schokolade“ unterscheide.

 

Und was ist „falsche Schokolade“? So ziemlich jede Schokolade, deren Kakao-Anteil unter 25% liegt und die zusätzlich mit Farbstoffen und Zusatz-Aromas angereichert wurde. Bei Chaqchao wird ausschließlich reiner Kakao, Kakao-Butter und natürlicher Bio-Zucker (beispielsweise aus Zuckerrohr) verwendet.

 

„Schokolade sollte wie Schokolade schmecken“, so das Motto.

 

Der Grund warum wir denken, Schokolade macht dick und süchtig? Weil die kommerziellen Schokoladen-Tafeln aus purem Industriezucker, Milchpulver und billigem Pflanzenöl bestehen. Auch die Schokoladen-Verkostung hat ordentlich an meinem „Milka-Schokoladen-Weltbild“ gerüttelt. Schockierend was uns als Verbraucher als „Schokolade“ untergejubelt wird, viele Schoko-Produkte besitzen gerade einmal einen Kakao-Anteil von 5%!

 

Aber nun Ernst bei Seite. Im Workshop von Chaqchao wurde es richtig spaßig, als wir dann unsere eigene Schokolade mischen durften. Verfeinern konnten wir die flüssige Schokolade mit einem Kakao-Anteil von 70% mit Nüssen, Chia-Samen, Koka-Pulver, Maras-Salz, Bananen-Chips oder Kokos-Raspeln.

 

Ich mache meine eigene Schokolade :)


Adrian erklärt uns die einzelnen Schritte

 

Nach einer Abkühlungsphase von 10 Minuten, konnten wir die Pralinen aus der Form klopfen und abgepackt mit nach Hause nehmen. Ob sie geschmeckt haben? Drei mal darfst du raten ;)

 

Fertig sind die Schokoladen-Pralinen :)

 

Café und Schokoladenfabrik Chaqchao

Wer Schokolade liebt und lernen möchte, was erstklassige Schokolade auszeichnet, dem kann ich einen zweistündigen Workshop mit Chaqchao nur ans Herz legen. Fragt sich, ob du Schokolade dann auch mit anderen Augen betrachtest. Für mich jeden Falls ist dunkle Bio-Schokolade aus Peru der wahre Deal!

 

Schokoladen-Workshop mit Chaqchao

 

Tägliche Workshops: 11:00 oder 14:45 Uhr
Dauer: 2 Stunden und 15 Minuten
Preis: S./ 65
Adresse: Santa Catalina 204, Arequipa
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DER PERU REISEFÜHRER

NORA TEICHERT & ANNE PRINZ DE SERVÁN

Jetzt erhältlich als E-Book und Taschenbuch

www.querdurchperu.de

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Buen viaje!

Dieser Blog ist für alle, die eine Reise nach Peru planen, die sich inspirieren lassen möchten von der Vielfalt, die Peru zu bieten hat, die einfach nur neugierig sind, Reiseberichte lesen möchten, oder für alle, die selbst schon in Peru waren und sich zurück versetzen wollen in eine Zeit, die so lebendig, so bunt, so erfüllt und so reich an Erlebnissen war. ~ Nora

2 Kommentare
  • Marisa

    13. Februar 2018 at 9:54 Antworten

    Hey Nora, mich würde interessieren, wie man so einen Besuch der Kakaobohnen Farm wie in Tapoto organisieren kann. Hast du da Tipps?

    Liebe Grüße
    Marisa

    • Nora

      13. Februar 2018 at 16:14 Antworten

      Hola Marisa,

      Wenn du in Tarapoto bist, kannst du zum Beispiel „Ecowarmi“ in San Roque de Cumbaza (40 Minuten außerhalb) oder „Rio Bosque Magico“ in Chazuta (1 Stunde außerhalb) besuchen. Am besten ist es sich vorher anzumelden und eine Tour oder einen Besuch zu vereinbaren. Du kannst beide Orte mal bei Facebook suchen und eine Nachricht schreiben. Das ist die günstigste Art. Wenn du Hilfe bei der Organisation brauchst, kann ich dir auch einen Vertrauens-Kontakt vor Ort in Tarapoto empfehlen, Daniel Lerner (Sacharuna Adventure).

      Liebe Grüße aus Cusco,

      Nora

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