Auf Streifzug durch Arequipa: Die „weiße Stadt“ im Süden Perus

Es ist mein dritter Besuch in Arequipa und diesmal habe ich sehr viel Zeit zum Entdecken der „weißen Stadt“ (Arequipa, la blanca) mitgebracht, um genauer zu sein eine ganze Woche. Jetzt im Januar wo Cusco keinen Tag mehr trocken bleibt, wollte ich irgendwie weg, irgendwie raus und dachte plötzlich an Arequipa. Zwar bleibt auch ein sonnenverwöhntes Arequipa nicht von der Regenzeit verschont, aber mit einer Sonnengarantie von sage und schreibe 300 Tagen im Jahr, sind die Chancen auf Sommer und Sonne deutlich höher. Also liebes Cusco, eine Pause von dir muss jetzt leider mal sein ;)

 

Kurze Fakten über Arequipa

Region: Arequipa
Höhenmeter: 2.300
Entfernung von Lima: rund 1.000 Kilometer
Klima: Ganzjährig sonniges, mildes Wetter
Einwohner: Rund 850.000
Anreise: Mit dem Bus ab Lima (Cruz del Sur oder Oltursa, 17 Stunden), am besten mit Zwischenstopps in den Orten Paracas, Ica und Nasca. Mit dem Nachtbus ab Cusco (Cruz del Sur, 10 Stunden). Mit dem Flugzeug ab Lima (LATAM, Peruvian Airlines oder Avianca)

 

Eine Stadt wie Arequipa braucht Zeit … sehr viel Zeit

Da bin ich also. Ich sitze auf einer Dachterrasse und tippe fröhlich vor mich hin. Um mich herum ganz viele Blumentöpfe und Pflanzen, eine sich im Wind drehende Plastikblume, eine Mauer, blaue Wassertanks und dahinter schneebedeckte Berge, die Hüter der Stadt. Sie erfüllen ihren Job ohne jeden Zweifel, denn ich fühle mich an diesem Ort super sicher. Die drei Vulkane Chachani (6.057 Meter), Misti (5.822 Meter) und Pichu Pichu (5.665 Meter) sind nicht nur Behüter von Arequipa, sie sind auch das Wahrzeichen dieser Stadt.

 

AirBnB in Arequipa

Wie ich das inzwischen immer mache, habe ich mich in einem AirBnB eingebucht und einen Glückstreffer gelandet. (Hier bekommst du einen 30 Euro Gutschein auf deine erste Buchung bei AirBnB). 

 

Ich habe nicht nur eine Terrasse mit Blick auf Arequipa und die Berge, sondern auch ein super großes und ruhiges Zimmer für mich. Das Bad wird mit einem weiteren Gästezimmer geteilt, wie auch die Küche. Die Gastgeber sind super hilfsbereit und der Preis (es gibt einen Wochenrabatt) ist tiptop. Von meinem AirBnB, welches in der Calle Melgar liegt, bin ich innerhalb von 1 Minute im Kaffeehaus von Antonia und Manuel, innerhalb von 5 Minuten beim Santa Catalina Kloster und innerhalb von 8 Minuten beim Hauptplatz.

 

 

Weitere Unterkünfte in Arequipa, die von meinen Lesern empfohlen werden, lauten: Vallecito Backpackers, Arequipay Backpacker oder Le Foyer Hostel (günstig), La Casa de Ana (mittleres Budget) oder Casa Arequipa (höheres Budget). 

 

Der Name „Arequipa“

Wo soll ich jetzt anfangen? Vielleicht beim Namen. Arequipa leitet sich vermutlich von dem Quechua-Ausspruch „are quepay!“ ab, welches übersetzt heißt „Bleiben Sie!“. Oft ist aber auch von der „weißen Stadt“ oder „Vulkanstadt“ die Rede. Gar nicht so abwegig, wenn man erstmal durch die Steingassen dieser Kolonialstadt streift. Sehr viele Gebäude im Innenzentrum – welches 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde – sind aus hellem Sillargestein der umliegenden Vulkane gebaut. Die Sonne, die wie versprochen vom Himmel tanzt, macht das Gemäuer ein paar Nuancen weißer.

 

 

Da wo das Leben tobt …

Der Hauptplatz ist ein guter Ausgangspunkt, um das historische Zentrum von Arequipa zu entdecken. Unmöglich zu übersehen ist die gigantische Kathedrale (Catedral Basílica de Santa María), die einen gesamten Häuserblock einnimmt und ebenfalls aus weißem Vulkangestein erbaut wurde. Hinter den Kirchtürmen steigen die schneebedeckten Berge empor, so als hätten die spanischen Architekten sie bewusst dorthin platziert.

 

 

An meinem dritten Tag mache ich einen geführten Rundgang (40 Minuten) durch die Kathedrale. Das geht immer zwischen 10 und 17 Uhr und kostet 10 Soles + 5 Soles für den Guide. Wir laufen durch das imposante Kirchenschiff, bewundern die belgische Orgel, betrachten im Museum alte Gemälde, religiöse Schmuckstücke und Gewänder. Beim Aufstieg auf das Dach hoffe ich auf freie Sicht auf die Berge und Vulkane, aber diese hüllen sich in ein Kleid aus Wolken. Ich mache Fotos von den Turmglocken und vom Hauptplatz, der mich fünf Minuten später wieder in Beschlag nimmt.

 

 

Ein Bild ist am Hauptplatz immer gleich: Spielende Kinder, die graue Tauben in die Luft jagen. Selbst wenn die Sonne nicht scheinen sollte, für diese Szene gibt es 365 Tage im Jahr eine Garantie.

 

 

So setzt man sich am besten auf eine Holzbank zwischen die Softeis schleckenden Einheimischen, im Schatten der Palmen, und lässt das quirlige Treiben auf sich wirken. Ob Schuhputzer, Sonnenhutverkäufer, Gottesbeschwörer, Zuckerwattenverkäufer oder Gegen-Entgeld-Fotografen – einige gewiefte Arequipeños nutzen die Gunst der Stunde.

 

Und wenn die Sonne hinter den Palmen hervorsticht und anfängt, auf der Haut zu brennen, ist vielleicht ein guter Moment gekommen, sich zu erheben und die Erkundungstour durch Arequipa zu starten …

 

 

Im Santa Catalina Kloster

In Arequipa steht der Besuch vom Santa Catalina Kloster mit Sicherheit ganz oben auf der Besucherliste. Gebaut wurde das Kloster in der Kolonialzeit im Jahr 1579 und gilt als eines der wichtigsten religiösen Bauwerke des Landes. Mit 40 Soles Eintritt lässt sich der Besuch einiges kosten aber es lohnt sich, versprochen! Die prachtvolle Architektur der damaligen Zeit mit ihren blau und rot bemalten Wänden, sowie die vielen Bäume, Blumen und Pflanzen – ja das alles lässt jedes Fotografen-Herz höher schlagen.

 

 

Der Rundgang durch das Kloster nimmt einiges an Zeit in Anspruch, so durchquert man mehrere Hinterhöfe, läuft durch Gassen mit Straßennamen und betritt dutzende Räume, in denen man sich vom damaligen Leben der Nonnen ein Bild machen kann. Nicht umsonst ist die Rede von „der Stadt in der Stadt“, das Kloster erstreckt sich auf einer Fläche von 20.426 Quadratmetern. Fast am Ende des Rundgangs kann man über eine steile Steintreppe auf eines der Dächer steigen, von wo aus man einen schönen Blick über die Stadt und die Berge erhält.

 

 

Eintritt kostet 40 Soles (rund 10 Euro) und die Öffnungszeiten gehen von Montag bis Sonntag von 09 bis 17 Uhr. An den Wochentagen Dienstag und Mittwoch ist das Kloster bis um 19:30 Uhr geöffnet.

 

Die pikante Küche Arequipas

Eine Reise durch Peru ist immer auch eine kulinarische Reise. Arequipa ist vor allem für seine würzig-pikante Küche bekannt und die drei bekanntesten Speisen sind „Rocoto Relleno“, „Chupe de Camarones“ (Garnelensuppe) und „Ocopa“ (Kartoffeln in einer pikant-cremigen Soße). In der Picanteria „La Benita de los Claustros“ lasse ich mir ein Rocoto Relleno (Rocoto ist eine Art Chili, die mit Hackfleisch und Gemüse gefüllt ist und mit Käse überbacken wird). Zum ersten Mal erfahre ich, dass Rocoto Relleno die Vulkane und Bewohner Arequipas repräsentiert. Der überbackene Käse stellt die schneebedeckten Berge dar und die Schärfe das Temperament der Arequipeños.

 

 

Mein Tipp: Rocoto Relleno lässt sich auch in Deutschland wunderbar nachkochen. Ein Rezept dazu findest du auf meiner Seite.

 

Wie überall in Peru lässt man sich zum Essen entweder einen Pisco Sour (Nationalgetränk), einen Wein (z.B. den peruanischen Tacama), peruanisches Bier (z.B. Cusqueña, Pilsen oder Craft-Bier) oder eine unalkoholische Chicha Morada schmecken. Auf der Speisekarte von La Benita lächelt mich die Limonade „Campo de Hierbas Ancestrales“ an, die sich vor Zutaten (Limette, Aguaymanto, Muña, Hierba Buena, Minze, Zitronengras, Rosmarin, Arrayan und Eukalyptus) gar nicht retten kann. Die Mischung schmeckt fantastisch und zur würzigen Hauptspeise genau das richtige!

 

Auf dem San Camilo Markt

Es ist Freitagvormittag und es ist leicht bewölkt. Ein guter Grund den San Camilo Markt genauer unter die Lupe zu nehmen. Direkt beim Betreten der Markthalle offenbart sich mir die kulinarische Vielfalt Perus: Exotisches Obst wie Papayas, Mangos, Maracuyas, Granadillas, Ananas, Mandarinen, Physalis, Kaktusfrüchte und Lucumas werden von Verkäuferinnen getürmt, ebenso wie das vielseitige frische Gemüse. Beeindruckend ist der Gang mit den unzähligen Kartoffelsorten, die dieses Land zu bieten hat. Wie auf allen peruanischen Märkten wird auch im San Camilo gedrängelt und geschubst was das Zeug hält, meine Augen werfe ich ständig auf meine Wertsachen. Etwas ruhiger geht es im zweiten Stockwerk der Markthalle zu, von hier habe ich einen guten Blick über das hektische Treiben.

 

 

Spaziergang nach Yanahuara

Innerhalb von 20 Minuten ist man zum szenischen Viertel Yanahuara hinauf spaziert. Auch als Aussichtspunkt bekannt, bietet sich einem von Yanahuara aus ein beeindruckendes Panorama über die Hausvulkane von Arequipa. Und wenn man in Yanahuara ist, sollte man entweder in der bekannten Picanteria „La Nueva Palomina“ oder im schicken Fischrestaurant „El Tio Dario“ einkehren. Als Ceviche-Fan entscheide ich mich für letzteres und lasse mir gemeinsam mit einem Freund die Vorspeise „leche de tigre“ (Tigermilch), ein „tiradito de pescado“ (hauchdünne Fischscheiben in einer würzigen Vinaigrette) sowie als Nachtisch „picarones“ schmecken.

 

 

Zu Gast bei einem peruanischen Nobelpreisträger der Literatur

„Tod in den Anden“ war der erste Roman, den ich von Mario Vargas Llosa gelesen habe. Und er sollte mein Interesse wecken für weitere Werke, die der Schriftsteller, Politiker und Journalist aus Arequipa verfasst hat. 2010 wurde Vargas Llosa mit dem Nobelpreis der Literatur ausgezeichnet. Mittlerweile lebt der Schriftsteller, der 1990 auch für die Präsidentschaftswahlen in Peru antrat, in Madrid. Sein Geburtshaus in der Avenida Parra 101 wurde in das Museum „Casa Museo Mario Vargas Llosa“ umgewandelt. 10 Soles kostet der Eintritt und beinhaltet eine rund 40-minütige Führung, die auf ganz anschauliche Art und Weise das Lebenswerk des peruanischen Schriftstellers darstellt.

 

 

Es war einmal eine Inka-Prinzessin …

Es war ein absoluter Sensationsfund, welcher 1995 von ein paar einheimischen Bergsteigern am Berg Ampato gemacht wurde. Auf über 6.000 Metern entdeckten sie die Mumie eines kleinen Inka-Mädchens, zwischen 13 und 14 Jahren soll sie gewesen sein und aus einer adligen Familie stammend. Sie war in feine Textilien gehüllt und trug edlen Federschmuck und war als Opfergabe für die Götter bestimmt. Von den Forschern wurde sie die Eisprinzessin Juanita genannt, heute wird sie im Museum in einem eisigen Glaskasten ausgestellt. Eintritt in das Museum kostet 20 Soles.

 

 

Crash-Kurs in Sachen Alpaka-Textilien

Im Internet habe ich von Mundo Alpaca gelesen, sprich von der „Welt der Alpaka“, die quasi auf dem Weg nach Yanahuara liegen. Im Prinzip handelt es sich dabei um ein größeres Textil-Geschäft, welches Pullover, Jacken und Schals aus Alpaka-Wolle verkauft und natürlich daran interessiert ist, vorbeischauende Besucher in potentielle Käufer zu verwandeln. Deshalb gibt es direkt beim Betreten des Ladens eine kostenlose Führung durch den schön gestalteten Garten, wo man eine Horde Alpakas füttern darf und danach erklärt bekommt, wie aus der Alpaka-Wolle Schritt für Schritt so ein kuscheliger Pulli entsteht. Für mich ist das ja alles nichts super Neues, aber insgeheim dachte ich mir „für meine Leser vielleicht schon“. Also gar nicht so verkehrt, sich das mal zeigen zu lassen und niemand wird gezwungen, etwas zu kaufen ;)

 

 

Wohin dich deine Füße tragen …

Arequipa lässt sich ohne Probleme zu Fuß erkunden. Bis auf den etwas chaotischen Verkehr, ist das Innenzentrum sicher und so kann man sich auch einfach treiben lassen, koloniale Hinterhöfe betreten, Kunst-Gallerien besuchen, kleine charmante Cafés entdecken und sich kulinarisch verwöhnen lassen (z.B. vom typischen „Queso Helado“ (Käse-Eis) oder von einer warmen „Salteña“ (mit Hühnchen oder Rindfleisch gefüllten Teigtasche)). 

 

Meine Café-Tipps:

Da ich nicht nur herumreise, sondern von unterwegs auch arbeite, sind Cafés mein bevorzugtes „Ausflugsziel“. Und in Arequipa habe ich zwei Cafés gefunden, die ich dir wärmstens ans Herz legen kann. Zum einen das Kaffeehaus von Antonia & Manuel (Melgar 117) sowie das Café & Schokofabrik Chaqchao von Besitzer Javier (Santa Catalina 204). In beiden Cafés gibt es erstklassigen Bio-Kaffee, ruhige Sitzgelegenheiten und schnelles Internet (im Chaqchao konnte ich sogar zwei Stunden – ohne Unterbrechung – mit Anne über die Arbeit an unserem Reiseführer QUER DURCH PERU sprechen ;) Nennenswert sind außerdem die leckeren Süßspeisen: Nussecken im Kaffeehaus und der (ohne Übertreibung) beste Brownie im Chaqchao ;) 

 

Also, lass es dir schmecken und hab‘ ebenfalls eine gute Zeit im sonnigen are quepay!

DER PERU REISEFÜHRER

NORA TEICHERT & ANNE PRINZ DE SERVÁN

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www.querdurchperu.de

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