Was ist Ayahuasca? Was du wissen solltest, über die Heilpflanze aus Peru

Ayahuasca. Ein Begriff, den man wahrscheinlich zum ersten Mal in Peru hört. Und dann ist Ayahuasca plötzlich in aller Munde. Es verfolgt einem bis nach Europa, wo man plötzlich Dokumentationen im Fernsehen sieht oder von Freunden hört, dass sie schon einmal Ayahuasca genommen haben. Von Wunderheilung bis Gruselgeschichten ist im Netz alles zu finden. Verlässliche Quellen sind dafür meist Mangelware.

 

Schon sehr lange wollte ich über Ayahuasca einen ausführlichen Artikel schreiben aber es ist eben ein sehr komplexes Thema. Nun schreibe ich aber darüber, denn lieber stelle ich dir eine kostenlose (und so gut wie es eben geht objektive) Lektüre zur Verfügung, als dass du ahnungslos in eine Ayahuasca-Zeremonie stolperst, die dich wohlmöglich noch Jenseits von Gut und Böse befördert.

 

Also, wer noch gar keine Idee von der Heilpflanze aus dem Regenwald hat, sollte sich zunächst meinen Artikel durchlesen. Es ist darüber hinaus wichtig, sich mit verschiedenen Quellen ausreichend zu informieren und Ayahuasca nicht auf Teufel komm raus zu suchen. Zu viele Scharlatane und selbsternannte „Gringo-Schamanen“ sehen im Ayahuasca nur noch die grünen Dollar-Scheine. Immer mehr Touristen kommen nicht wegen Machu Picchu nach Peru, sondern wegen Ayahuasca. Die Beweggründe ziehen sich von „einfach nur Visionen haben“ über „Krebs heilen“, „mit dem Rauchen aufhören“, „Traumata verarbeiten“ und „spiritueller Selbstfindung“ in die Breite.

 

Wer jedoch in die falschen Hände gerät, findet im Ayahuasca keine Heilung oder hübschen Visionen, sondern marschiert direkt durch die Hölle. Diese negative Entwicklung wird sowohl von falschen Schamanen wie auch der Unwissenheit der Ayahuasca-Trinker begünstigt. Und das überschattet die vielen kleinen Wunder, die Ayahuasca tatsächlich für jedes Individuum offen hält.

 

Aber jetzt nochmal auf Anfang. Was ist Ayahuasca überhaupt?

Als „Ayahuasca“ wird eine Liane (Banisteriopsis caapi) bezeichnet, die in den südamerikanischen Regenwäldern wächst und gemeinsam mit DMT-haltigen Blättern zu einem Pflanzensud gekocht wird. Diese Mischung, die je nach Tradition noch weitere pflanzliche Zutaten beinhaltet, wird ebenfalls als Ayahuasca bezeichnet. Seit Jahrhunderten werden Krankheiten in den südamerikanischen Regenwald-Gemeinden mit Ayahuasca und abgestimmten Ritualen behandelt. In Peru ist Ayahuasca sogar nationales Kulturerbe, was die Schutzbedürftigkeit und den Wert dieser natürlichen Heilmedizin verdeutlicht. Diese wird von so genannten „curanderos“ (Deutsch: „Heiler“ oder auch „Schamane“) verabreicht. Dabei trinkt sowohl der Heiler wie auch seine Patienten den bitteren Pflanzensud, um nach kurzer Wirkzeit in einen bewusstseinserweiternden Trance-Zustand zu verfallen. Tabakrauch und vibrierende Gesänge des Schamanen beeinflussen ebenfalls die innere Reise mit dem Ayahuasca. Vertrauenswürdige Curanderos sind ausgebildete Medizinmänner, die über Jahrzehnte bei einem Meister-Schamanen das Heilen mit Ayahuasca erlernt haben und in der Lage sein sollten, die körperlichen wie geistigen Zustände seiner Patienten sehen und zum Positiven beeinflussen zu können. Gerade deswegen ist es wichtig, nicht mit „irgendeinem Schamanen“ Ayahuasca zu trinken. Gesundheitszustände können sich im schlimmsten Fall auch verschlechtern!

 

Neben Ayahuasca behandeln Schamanen mit einer Vielzahl von Heilpflanzen, die verschiedene Wirkungen auf Körper und Geist haben. Diese werden häufig in so genannten „dietas“ (Deutsch: „Diäten“) verschrieben, die zwischen 10 Tagen und mehr als einem Monat andauern können. Damit die Pflanzen im Körper richtig wirken können, hält der Patient eine sehr strenge Diät, die in manchen Heilzentren sogar den Verzicht auf Pflegeprodukte, völlige Isolation von der Außenwelt, Vermeidung von Sonnenlicht und elektronischen Geräten, usw. voraussetzt. Die „dietas“ werden immer beliebter, denn die Heilzentren machen mit der längeren Verweildauer ihrer Patienten einen größeren Gewinn. 

 

Ayahuasca und Spiritualität

Ayahuasca-Zeremonien haben aber auch religiöse Gründe. So verhilft es dem Trinker sich mit dem Spirituellen zu verbinden, sowie mit Geistern und verstorbenen Seelen in Kontakt zu treten. Viele Ayahuasca-Trinker berichten, dass Angehörige während der Zeremonie anwesend waren und sie mit ihnen gesprochen haben. In der brasilianische Santo Daime Religion wird Ayahuasca beim Gottesdienst getrunken. Dadurch soll es einfacher sein, in spirituellen Kontakt mit dem Göttlichen und mit der Gemeinschaft zu treten.

 

Ein bekannter Ayahuasca-Hotspot ist die Dschungel-Metropole Iquitos, dort gibt es Ayahuasca-Retreat-Center im Überfluss. Aber auch in Lima, Cusco, dem Heiligen Tal oder Puerto Maldonado wird Ayahuasca angeboten. Zu meinem Erstaunen höre ich immer öfter von Leuten, die Ayahuasca in Europa konsumiert haben. Viele Schamanen reisen quasi geschäftlich um die Welt, um Zeremonien all denjenigen anzubieten, die wegen Ayahuasca nicht extra nach Peru reisen möchten.

 

Worauf du unbedingt achten solltest:

Recherchiere im Vorfeld über vertrauenswürdige „centros de curación“ (Heilzenter) bzw. bekannte Schamanen. Das ist zugegeben nicht immer einfach, da die besten Heiler keine Werbung für ihre Zeremonien machen. Ganz nach dem Motto: „Wer Heilung sucht, der wird schon auftauchen.“ Es gibt sowohl in Iquitos, Pucallpa wie auch außerhalb von Cusco gute Heilzentren, die sogar bei Tripadvisor gelistet sind und wo man sich im Vorfeld Bewertungen durchlesen kann. Für eine zweiwöchige Ayahuasca-Kur legt man aber schon einmal mehr als 2000 US-Dollar auf den Tisch. Dafür liefern diese Einrichtungen ärztliche und psychotherapeutische Betreuung, die für einen gewissen Sicherheitsstandard sorgen.

 

Wer nicht so viel Geld übrig hat, der reist am besten nach Pucallpa oder Iquitos, um sich vor Ort in Ruhe nach Schamanen zu erkundigen. Es gibt viele seriöse Schamanen, die auch die Einheimischen behandeln und „normale“ Preise pro Zeremonie verlangen. Wie gesagt, diese Variante braucht vor allem Zeit, gute Intuition und Spanischkenntnisse.

 

Erzwinge nichts und höre immer auf dein Bauchgefühl. Wenn dir jemand mit „Heile dein Herzchen“ oder mit „schneller Heilung“ kommt, kannst du gleich abwinken. Wer körperliche oder seelische Heilung sucht, sollte sich auf einen langfristigen Heilungsprozess einstellen. Ayahuasca ist hierfür nur der Wegbereiter und man selbst als Mensch muss noch ganz viel Arbeit leisten, um wirkliche Heilung zu erfahren.

 

Trinke Ayahuasca niemals in großen Gruppen, da du nicht wissen kannst, welche Wirkung und Reaktionen das Ayahuasca bei anderen auslöst. Erkundige dich, ob während der Zeremonie Assistenten anwesend sind, die das Geschehen kontrollieren.

 

Beginne vor deiner Zeremonie eine mindestens einwöchige Diät, bei der du auf Alkohol, Fleisch, Zigaretten, Zucker, Salz, Gewürze und viel Stress verzichtest. Bestenfalls meditierst du vor deinem Ayahuasca, so stellst du sicher, dass die Medizin auch tief in deinem Unterbewusstsein wirken kann.

 

Gerade als Frau sollte man doppelte Vorsicht walten lassen, da es in der Vergangenheit schon öfter zu sexuellen Übergriffen kam. Während der Trance ist man dem Schamanen so gut wie ausgeliefert. Deswegen spielt Vertrauen eine ganz große Rolle. In der Region um Pucallpa gibt es auch sehr bekannte Shipibo-Heilerinnen. Das ist ggf. eine sichere Alternative für alle Frauen.

 

Meine Erfahrungen mit Ayahuasca

Ich habe schon einige Zeremonien mit Ayahuasca gemacht und die Erfahrungen möchte ich persönlich nicht missen in meinem Leben. Doch, Ayahuasca zu trinken ist hart. Nie habe ich so etwas dermaßen abscheuliches getrunken wie den Ayahuasca-Sud. Während ich diese Zeilen tippe, muss ich mich vor Ekel schütteln. Und auch die Stunden danach sind wahrlich kein Zuckerschlecken. Plötzlich dreht sich alles. Man schwitzt und friert gleichzeitig. Es ist wie durch einen 3D-Film zu fliegen, Höhen und Tiefen zu erleben, Erinnerungen kommen hoch und man kehrt sein Innersten nach Außen. Man blickt den verborgensten Ängsten in die Augen und sehr wahrscheinlich muss man sich mehrmals übergeben. 

 

Mein Fazit

Langfristig haben die Visionen und Einsichten vieles in meinem Leben zum Positiven verändert. Natürlich sind diese Erfahrungen sehr persönlich, sodass ich gar nicht viel mehr darüber schreiben werde. Ich kann nur sagen, dass es mich zu meinen eigenen Werten zurückgebracht hat. Werte, die uns in unserer kapitalistischen Gesellschaft mehr und mehr verloren gehen.

 

Mein Respekt gebührt dieser Heilpflanze und ebenso den Heilern, die seit Generationen mit Ayahuasca Krankheiten kurieren. Ich bewundere das Wissen der Urvölker des Amazonas, ein Wissen über das, was der westlichen Welt verloren gegangen ist. Die Intuition mit Pflanzen zu leben, ihre Eigenschaften zu verstehen, sie zu fühlen und zu wissen, welche Pflanze uns heilt und welche Pflanze uns umbringt. Der Regenwald ist die Apotheke der Ureinwohner, dort sucht man vergebens nach Schmerztabletten.

 

Am Ende ist es nicht das Ayahuasca selbst, welches heilt. Ich glaube vielmehr, dass in jedem Menschen die Fähigkeit zur Selbstheilung schlummert und Ayahuasca lediglich die geschlossenen Türen öffnet.

 

Wichtiger Hinweis: Wer mit dem Gedanken spielt, Ayahuasca zu trinken, sollte sich vorher ausgiebig mit dem Thema beschäftigen und nach vertrauenswürdigen Adressen recherchieren. Bitte habe Verständnis, dass ich keine Empfehlungen von Heilzentren oder Schamanen herausgeben werde. 

DER PERU-REISEFÜHRER

NORA TEICHERT & ANNE PRINZ DE SERVÁN

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Hola! Ich bin’s die Nora, das Gesicht hinter Info-Peru.

Ich habe über zwei Jahre bei lokalen Reiseagenturen in Cusco gearbeitet und bin schon viel durch Peru gereist. Für mich bedeutet dieses Land „Vielfalt“. Vielleicht ist es die peruanische Höhenluft, die mich zum Schreiben inspiriert – auf jeden Fall könnte ich mir nichts schöneres vorstellen.

 

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1 Kommentar
  • Nord-Peru-Reisen

    15. September 2017 at 14:29 Antworten

    Ein toller Artikel, Nora. Und sicherlich sehr hilfreich für alle, die gerne eine Ayahuasca-Zeremonie machen möchten. Danke für die gute Zusammenfassung.

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