ᵂᴱᴿᴮᵁᴺᴳ Peru Mietwagen: So war mein Roadtrip in Südperu

Dieser Roadtrip durch Südperu war meine erste Reise im Mietwagen. Obwohl ich Reisen in peruanischen Kleinbussen ebenso liebe, habe ich die Freiheit im Mietwagen schätzen gelernt. In sechs Tagen ging es von Arequipa in den Colca Canyon, weiter zur Halbinsel Capachica am Titicaca See, von dort über Offroad-Wegen in das Heilige Tal der Inka und über den Abra Malaga Pass weiter nach Santa Maria, ein Dschungeldorf auf dem Weg nach Machu Picchu. In kürzester Zeit haben wir vielfältigste Landschaften durchfahren, eine Rundreise durch Peru par excellence.

 

„Die Räder knirschen auf steinigen Pisten, im Rückspiegel sehe ich aufgewirbelten Sand. Kurve für Kurve bahnen wir uns mit dem Mietwagen durch die Weiten der Anden, vorbei an seidengrünen Bergen, schlangenförmigen Flüssen, goldenem Ichu-Gras, vorbei an Lamas und Alpakas. Hier und da versperren Schafsherden die Fahrbahn, kein Wunder, wenn doch sonst kein Mensch durch diesen einsamen Landstrich fährt.“

 

Tag 4 war mein persönliches Highlight!


So viele Lamas und Alpakas habe ich noch nie an einem Tag gesehen!

 

Das ist pure Mietwagen-Freiheit!

 

Roadtrip durch Peru? Sehr gern!

Vor zwei Monaten hat mich der Reiseveranstalter Fairaway zu einem sechstägigen Roadtrip durch Südperu eingeladen. Von der Idee war ich sofort begeistert, denn es würde meine erste Reise im Mietwagen werden. Viele meiner Leser fragten mich bis dato, ob ich zu einer Reise im Mietwagen raten würde. Bisher konnte ich nur eine grobe Einschätzung geben und habe im Zweifelsfall davon abgeraten. In meinen Augen ist Peru auch weiterhin kein klassisches Land für eine Reise im Mietwagen, aber für Teilstrecken kann man es doch in Erwägung ziehen.

 

Ich denke, nur routinierte Fahrer sollten sich in Peru hinter das Lenkrad setzen. Dazu gehört, dass man halbwegs Spanisch spricht und bei all dem chaotischen Verkehr einen kühlen Kopf bewahrt.

 

Mietwagen für Teilstrecken

Am sichersten ist es, wenn man sich ein Auto für eine Teilstrecke mietet, so wie wir es gemacht haben. Am kritischsten ist das Fahren durch die Hauptstadt Lima und auf der Panamericana. Hier soll es an der Tagesordnung sein, von Polizisten angehalten zu werden, die auf Teufel komm raus versuchen, einem das Geld aus der Tasche zu ziehen. Hallo Peru, Hallo Korruption.

 

Für alle Mietwagen-Fans:

Zur Zeit arbeite ich an einem ausführlichen Ressourcen-Artikel über das Thema Mietwagen, in dem ich alle wichtigen Punkte aufführen werde. Da ich keine Allwissende diesbezüglich bin, würde ich mich freuen, wenn du dein bisher gesammelten Wissen in Form von Kommentaren oder direkten Nachrichten mit mir teilst, damit ich dieses Wissen wiederum mit meinen Lesern teilen kann.

 

In diesem Bericht geht es jetzt erst einmal um die Erlebnisse, die uns auf unserem Roadtrip durch Südperu zuteil wurden :)

 

Inspiriert von meinem Roadtrip durch Peru?
Wende dich gern an Fairaway, wenn du eine ähnliche Fahrt im Mietwagen planst.

 

Mit dem Mietwagen durch Peru

Tag 0: Schlüsselübergabe bei Europcar

In Arequipa sind wir schon einen Tag im Voraus eingetrudelt. Nach einer kurzen Stadtbesichtigung am Vormittag und einem Mittagessen im veganen „El Buda Profano“ geht es am Nachmittag mit dem Taxi zu Europcar (Av. Ejercito 1038), um den Mietwagen abzuholen. Nach einer kurzen Einweisung hält Guido dann schon die Schlüssel in der Hand und los geht’s!

 

Google navigiert uns sicher zurück ins Zentrum, wo wir in einer überwachten Garage (Häufig „Playa“ genannt) parken. Auskunft über naheliegende Parkmöglichkeiten erhielten wir über unser Hotel.

 

Schlüsselübergabe bei Europcar in Arequipa

 

Wir übernachten in dem Kolonialhotel „Los Torres de Ugarte. Das Hotel verfügt über eine tolle Dachterrasse mit Blick über die Berge sowie einen schönen Innenhof, wo sich zwei Schildkröten die Sonne Arequipas auf den Panzer scheinen lassen. Wenn du eine Nacht in Los Torres de Ugarte buchst, solltest du darauf achten, ein Zimmer im Kolonialteil zu bekommen, diese sind wesentlich schöner als im modernen Anbau.

 

Kolonialhotel „Los Torres de Ugarte“

 

Kleine Randnotiz: Die Rundreise im Mietwagen habe ich gemeinsam mit 4 weiteren Reisespezialisten gemacht. Dazu gehören Guido (Holland), Agnes (Holland) und Johanna (Deutschland), die für Fairaway arbeiten sowie Karlijn (Holland), die für die Holländer über ihre Reise nach Peru berichtet. Gemeinsam mit Karlijn habe ich sehr viel Fotos gemacht und Filmmaterial erstellt. Dazu zählten etliche Aufnahmen, wie das Auto losfährt und wie es ankommt, losfährt und ankommt, losfährt und ankommt … ganz schön anstrengend so ein Job als Reisebloggerin!! Aber ich möchte mich nicht beschweren ;)

 

Fahren musste ich zum Glück nicht. Denn ebenfalls interessant: Ich hätte gar nicht fahren dürfen. Als Tourist mit einem Visum von 3 Monaten kannst du ohne Probleme mit deiner heimischen Fahrerlaubnis fahren. Da ich aber ein Residenten-Visum habe, müsste ich jetzt erstmal die peruanische Fahrschulbank drücken und dafür hatte ich bisher weder die Zeit noch die Nerven.

   

Tag 1: Von Arequipa in den Colca Canyon nach Corporaque

Es ist 6 Uhr und der Wecker klingelt. Heute steht uns ein langer Tag bevor und wir machen uns lieber vor dem Berufsverkehr auf die Socken. Gegen 7:30 Uhr verlassen wir bereits die Vulkanstadt ohne große Umwege.

 

Mit dem Mietwagen durch Arequipa

 

Die Playlist von Guido dudelt vor sich hin. Wenn nicht gerade ein holländischer Song läuft (Johanne und ich sind halt in der Unterzahl ;)), singen wir alle gemeinsam zu R.E.M. oder Bon Jovi. Die Euphorie ist groß und wir uns selbst noch nicht überdrüssig.

 

An uns ziehen die schönsten Landschaften vorbei


Ein gelbes Vicuña-Schild

 

Als erstes durchqueren wir das Naturreservat „Salinas y Aguada Blanca“. Gelbe Verkehrsschilder, auf denen Vicuñas abgebildet sind, bereiten uns schon auf die tierischen Bewohner dieser Zone vor. An uns zieht eine weite Steppe vorüber, dahinter die Berge und der Vulkan Misti. Die perfekte Kulisse, durch die dann irgendwann eine Gruppe Vicuñas läuft. Wir fahren langsamer, um die scheuen Tiere vor die Kamera zu bekommen. Das Wetter scheint zu unseren Gunsten und so lässt der erste Stopp nicht lange auf sich warten.

 

Ein wildes Vicuña

 

Weiter geht es zum höchsten Punkt unserer heutigen Fahrt, dem Patapampa Pass auf 4.920 Metern. Von hier aus haben wir einen fantastischen Blick auf die umliegenden Vulkane. Die Höhe macht sich schnell bemerkbar. Es ist kalt und jeder Schritt möchte ausbalanciert werden. Zur Vorbeugung der Höhenkrankheit kauen wir auf ein paar Kokablätter herum, welche wir ebenfalls für ein kleines Ritual nutzen.

 

Um uns bei den Berggöttern („Apus“) für eine sichere Fahrt zu bedanken, bauen wir einen kleinen Steinturm und opfern drei Kokablätter, die unsere Wünschen beinhalten. Wie wir so unser Türmchen bauen, stelle ich belustigt fest, wie sehr die peruanischen Traditionen schon auf mich abgefärbt haben. Die Inka wären verdammt stolz!

 

Beim Patapampa Pass auf 4.920 Metern


Wir bauen einen Turm aus Steinen …

 

Am frühen Nachmittag bahnen wir uns dann in das Colca Tal hinab. In Chivay angekommen, wird kurz der Eintritt in den Colca Canyon bezahlt (70 Soles für ausländische Touristen) und dann fahren wir weiter in das kleine Dorf Corporaque, wo die erste Gemeinde unserer Reise auf uns wartet.

 

Ich finde es immer spannend bei Kommunen zu übernachten, weil ich das Gefühl habe, in Peru wirklich Gast zu sein und es schätze, von den Einheimischen zu lernen. Sei es Sprache, lokale Weisheiten oder einfach, ein bisschen gelassener zu sein. Mit einer Übernachtung in einer Gemeinde unterstützt man die „kleinen Leute“ und deren wirtschaftliche Entwicklung.

 

Bei unseren Gastgebern in Corporaque

 

Gemeinsam mit dem Gemeinde-Chef Fredy machen wir am Nachmittag eine Wanderung zu den Ruinen von Uyo Uyo.

 

Die warme Abendsonne badet sich bereits im grünen Tal bevor sich der Schatten der Berge darüber legt.

 

Wanderung durch das Colca Tal


Fredy erzählt uns über das Leben im Colca Tal

 

Mit bereits müden Augen verbringen wir ein geselliges Abendmahl mit unseren Gastgebern. Als kleine Überraschung werden uns für die Nacht doch tatsächlich Wärmflaschen überreicht! Damit lässt es sich auch auf 3.630 Metern gemütlich schlafen.

 

Unser gemütliches Zimmer in der Gemeinde Corporaque

 

Tag 2: Vom Colca Canyon zum Titicaca See

Es ist kurz vor 6 Uhr, der Hahn kräht und ich bin hellwach. Wie auch die einheimischen Bauern passen wir uns mehr und mehr der natürlichen Tag- und Nachtzeit an. Nach einem einfachen Frühstück verabschieden wir uns von unseren Gastgebern und rollen bereits durch das Colca Tal. Das erste Ziel für heute ist der „Cruz del Condor“, ein Aussichtspunkt um hoffentlich ganz viele Kondore zu sehen.

 

Auf zum Cruz del Condor!

 

Im Colca Canyon führt eine Straße südlich entlang des Tals bis nach Cabanaconde und vorbei am Cruz del Condor und eine Straße, die nördlich vom Fluss entlang führt. Die südliche Route wird von allen Touristenbussen befahren, die nördliche Strecke nutzt hingegen kaum jemand. So und drei mal darfst du raten, welche Strecke wir gewählt haben? Natürlich die Strecke im Norden, die kaum einer fährt!

 

„Wahrscheinlich sind wir heute klitzekleine Punkte in ganz vielen Landschaftsaufnahmen!“, scherze ich. Unser Weg führt uns durch verschlafene Dörfer und auf kurvigen Pisten durch pittoreske Landschaften des Colca Tals. Am liebsten würden wir alle hundert Meter einen Stopp machen, aber wir wollen auch nicht zu spät am Aussichtspunkt aufkreuzen, denn schließlich sind am frühen Morgen die meisten Kondore zu sehen.

 

1001 Stopp

 

Trotz etlicher abrupter „Stopp!!!-Die-Landschaft-ist-hier-wirklich-schööön,-bitte-Anhalten“-Manöver erreichen wir gegen 09:30 Uhr den Cruz del Condor. Und wo sind jetzt bitte die Kondore? Das heilige Tier der Inka? Die Boten der spirituellen Welt?

 

Da ist einer! Bevor wir den ersten Kondor überhaupt sehen können, hören wir bereits das euphorische „Wooow“ anderer Touristen. „Na so ein Glück!“, denke ich mir. Wäre auch schade, hätte uns der Anblick eines Kondors auf dem Roadtrip gefehlt :)

 

Warten auf ganz viele Kondore …


Beim Aussichtspunkt „Cruz del Condor“

 

Eine halbe Stunde später düsen wir zurück in Richtung Chivay, diesmal auf der südlichen Strecke, wo wir in Maca bei einer weißen Kolonialkirche vorbeikommen. In Chivay besuchen wir den Markt und decken uns mit Brot, Obst und Käse ein. Zu einem Roadtrip gehört immerhin ein gescheites Picknick – Symbol höchster Freiheit!

 

Am Hauptplatz von Chivay


Markt von Chivay

 

Die Fahrt in Richtung Titicaca See führt uns zunächst ein Stück zurück nach Arequipa, bis wir den Abzweig nach Juliaca einschlagen. Nach knapp zwei Stunden erreichen wir eine Gegend, die für ihre bizarren Steinformationen bekannt ist. Wir fahren links ran, erkunden den Steinwald und ernennen diesen Fleck Erde zum perfekten Ort für unser Picknick!

 

Picknick mitten im Nichts


Zwischen bizarren Steinformationen

 

Gut gestärkt muss nun Juliaca durchquert werden. Ich übertreibe nicht, wenn ich den Vergleich mit einer „kriegsgeschädigten Stadt“ bringe. Schon von Weitem begrüßt uns grauer Schmok, der über Juliaca liegt wie ein alter Teppich. Aufgerissene Straßenzüge und beängstigend tiefe Schlaglöcher offenbaren uns das Ausmaß gnadenloser Korruption und menschlicher Ignoranz. Der willkürliche „Jeder-macht-was-er-will-Verkehr“ setzt dem ganzen nur sein i-Tüpfelchen auf und wir sind heilfroh, dieser Stadt schnell den Rücken zu kehren.

 

Als würden Galaxien zwischen Juliaca und dem Titicaca See liegen, erreichen wir nach Sonnenuntergang die Halbinsel Capachica. Es ist magisch ruhig, die Luft ist rein, die Menschen tragen wieder ein Lächeln auf dem Gesicht. Auch hier treffen wir auf eine einheimische Gemeinde, bei der wir zwei Nächte verbringen werden. Kurz nach dem Abendessen ziehen wir uns in unsere Zimmer zurück. Morgen möchten wir pünktlich um 5:40 Uhr den Sonnenaufgang über dem Titicaca See erleben!

 

Unsere Unterkunft auf Capachica

 

Tag 3: Kayakfahren auf dem Titicaca See

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen Sonnenaufgang gesehen habe. Es muss lange her sein. Wie ich in der morgendlichen Kälte des Titicaca Sees vor mich hin zittere und erwartungsvoll auf den Horizont starre, stelle ich fest: Es gibt nichts Schöneres als den Tag mit den ersten Sonnenstrahlen zu starten. Blutjung ist der Tag und ich fühle mich voller Energie.

 

Warten auf die Sonne


Sonnenaufgang über dem Titicaca See


Ein neuer Tag :)

 

Heute sollen die Räder unseres Mietwagens stillstehen. Naja, nicht ganz. Nach dem Frühstück fährt uns Guido zum Hafen, wo bereits ein gelbes und ein rotes Kayak auf uns warten.

 

Am Hafen

 

Mit dem Kayak über den Titicaca See schippern? Das wollte ich längst mal machen. So schlüpfen wir in eine schwarze wasserdichte Jacke und danach werden uns die Schwimmwesten angelegt. Gemeinsam mit Johanna besteige ich das rote Kayak und schon werden wir von unserem Guide hinaus auf den See geschupst. Meine Spiegelreflexkamera habe ich zuvor Guido in die Hände gedrückt, denn ein Bad im Titicaca See würde meine Kamera nicht überleben. Mit meinem iPhone bin ich etwas risikofreudiger, denn Kayakfahren ohne Fotos für meine Leser??? Undenkbar! :) Also landet das gute Teil in einer Tüte mit Zip-Verschluss (Applaus für die Multifunktionalität von Zipper-Tüten!!) und als die Angst, wir könnten mit dem Kayak umkippen, überwunden ist, kommt meine iPhone-Kamera zum Einsatz.

 

Was für ein schöner Tag!

 

Lustig, aber der Titicaca See erinnert mich gerade ein bisschen an Brandenburg. Aufgewachsen an der Havel bin ich als Kind viel im Boot unterwegs gewesen. Ich weiß, zwischen Titicaca See und Brandenburg liegen sagenhafte 4.000 Höhenmeter, das ist mir bewusst, aber das ruhige Plätschern des Wassers, die Art wie wir uns langsam fortbewegen und die warme Sonne zieht mich kurz in die Vergangenheit zurück. Doch spätestens als ich das laute Gebrüll eines Esels höre, bin ich wieder mit allen Sinnen in Peru :)

 

Mit dem Kayak auf dem Titicaca See

 

In zwei Stunden paddeln wir einmal um die Inselspitze von Capachica und weiter zu einem kleinen Naturhafen, wo wir auf das Boot von Guido und Karlijn treffen. Während unserer Kayak-Tour ging es für die zwei zu den schwimmenden Schilfinseln.

 

Schon aus 50 Meter Entfernung sehen wir einen adrett gekleideten Mann mit schwarzem Hut. Er winkt uns euphorisch zu, und als wir stranden, begrüßt er uns freundlich und führt uns hinauf zu seinem Haus.

 

Die Mittagssonne färbt den Tititcaca See in ein wunderschönes Blau, dazu grüne Wiesen und Bäume, gelbe Blumen, weiße Sahnewolken – als wäre das hier ein Malkasten.

 

Blick von der Halbinsel Capachica

 

Wir haben etwas Zeit, uns vom Kayakfahren auszuruhen, die ungewohnte Paddel-Bewegung macht sich nun in den Oberarmen bemerkbar. Zum Mittag gibt es eine pürierte Gemüsesuppe und danach Trucha (Forelle aus dem See) mit Quinoa und Kochgemüse. Mit einem gemischten Kräutertee lassen wir das Essen ausklingen, bevor es zurück zum Hafen und wieder hinein in die Kayaks geht.

 

Trucha mit Quinoa und Kochgemüse

 

Tag 4: Vom Titicaca See nach Pisac in das Heilige Tal

Auf den heutigen Tag freue ich mich ganz besonders, denn die Fahrt vom Titicaca See in Richtung Cusco ist landschaftlich wunderschön.

 

Schon öfter bin ich die sogenannte „Ruta del Sol“ (Sonnenroute) mit dem Bus oder dem Zug gefahren, aber noch nie mit dem Mietwagen. Guido möchte heute eine Offraod-Strecke testen, die uns zu einem Puya Raimondi Wald und zum Tal von Tinajani bringen soll. Ich bin gespannt und absolut startklar!

 

Die schlechte Nachricht jedoch: An Juliaca führt auch heute kein Weg vorbei. Zu allem Überfluss kündige ich meinen Mitfahrern an, dass meine Speicherkarte voll ist und Juliaca die einzige Chance sei, eine neue Karte zu kaufen. Google navigiert uns zu einem Fotogeschäft in das Zentrum von Juliaca, ein fataler Fehler, denn hier würde selbst ein fahrender Buddha die Fassung verlieren. Ich fühle mich schuldig, denn wir verlieren wertvolle Zeit, fahren etliche mal im Kreis und unsere Stimmung erreicht den ersten Tiefpunkt unserer Reise. Ob meine neu erworbene Speicherkarte dann überhaupt funktioniert? In einer Stadt, die für ihre Schwarzmärkte und billigen Raubkopien bekannt ist, eine wohl berechtigte Frage …

 

Nachdem wir dann noch bei der Tankstelle „Primax“ getankt haben, verlassen wir Juliaca mit einem Seufzer der absoluten Erleichterung und erreichen nach 20 Minuten die kleine Ortschaft Lampa. Inzwischen ist mir auch keiner mehr böse und wir scherzen sogar mit den Worten, dass „alles, was nach Juliaca kommt, einfach wunderschön ist!“. Aber Lampa überrascht uns wirklich. Zwei zentrale Plätze liegen direkt nebeneinander, Polizisten fahren auf Fahrrädern durch die Straßen und eine koloniale Steinkirche thront am Hauptplatz.

 

Steinkirche am Hauptplatz von Lampa

 

Schnell werden wir als einzige Touristen des Tages von zwei Männern abgefangen. Die zwei haben sich auf die Fahne geschrieben, Lampa touristisch zu vermarkten. Voller Stolz zeigen sie uns das wohl einzige Hotel der Ortschaft, dessen Dach völlig eingestürzt ist. Beim Betreten offenbart sich uns aber ein kolonialer Schatz und ein paar sehr gemütliche Gästezimmer, in denen man es sich als Mietwagen-Fahrer gemütlich machen kann.

 

Hotel „La Casona“ in Lampa

 

Wir bekommen noch schnell den Weg zum Puya Raimondi Wald erklärt, ein „absolut sehenswerter Ort“, betonten noch einmal die zwei Herren. Ab Lampa beginnt dann nämlich auch die geplante Offroad-Strecke und für mich das schönste Seitental der Anden!

 

Das schönste Seitental der Anden!

 

Diese Route begeistert uns alle! Auf einer steinigen aber gut ausgerollten Piste passieren wir einen schlangenförmigen Fluss, der sich durch ein malerisches Tal zieht. Rechts und links die seidengrünen Anden, am Wegesrand das goldene Ichu-Gras. Im Rückspiegel sehe ich, wie die Räder von unserem Mietwagen den Sand der Fahrbahn aufwirbeln. Es dauert nicht lange, bis uns die ersten Lamas und Alpakas begegnen.

 

Denn Anden ohne Lamas? Das wäre ja auch wie Wüste ohne Sand!

 

Ein Lama überquert die Fahrbahn …

 

Während Johanna und ich das zehntausendste Alpaka-Bild knipsen (die neue Speicherkarte funktioniert zum Glück!) unterhält sich das Sprachtalent Guido derweil mit einer Bäuerin auf Quechua. Denn ja, neben Holländisch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Französisch und Deutsch spricht unser Fahrer auch noch runa simi („Die Sprache der Menschen“, also Quechua).    

 

Gespräch mit einem Feldarbeiter


Bäuerin und ihre Lamas

 

Weiter geht’s! Kurve für Kurve steigen wir auf Serpentinen in die Höhe. Der Ausblick in die Täler der Anden ist einfach nur phantastisch! Ab und zu versperren uns Schafsherden kurzweilig den Weg aber auch kein Wunder, wenn sonst niemand durch diesen Landstrich fährt. In der gesamten Fahrzeit kommen uns vielleicht zwei Fahrzeuge entgegen.

 

Lamas und Schafe versperren uns kurzweilig den Weg

 

Nachdem wir eine Hochebene erreichen – wo wir abermals auf Lamas, Alpakas und Schafe stoßen – führt der Weg wieder hinab, hinein in ein Tal, wo wir schon von Weitem die Puya Raimondi Pflanze sehen. In einer Landschaft, in der sonst kein Baum wächst, blüht sie meterhoch. Sie soll die größte Blume der Welt sein und wenn sie geblüht hat, verbrennt sie sich selbst. Wir nehmen uns Zeit, den Puya Raimondi Wald zu erkunden, bevor wir unsere Fahrt fortsetzen.

 

Puya Raimondi Pflanzen und im Hintergrund Tinajani

 

Bereits aus weiter Entfernung können wir eine bizarre Bergwand sehen, das muss Tinajani sein! Eine schnurgerade Straße führt direkt auf diese Bergwand zu, ein bisschen erinnert mich das jetzt an den wilden Westen!

 

Auf schnurgerader Straße nach Tinajani

 

Verrückt, dass ich zuvor nichts von diesem Ort wusste. Aber so geht mir es ja ständig in diesem Land, das noch so viele unbekannte Schätze für uns bewahrt. Die Steinformationen sind beeindruckend, teilweise stehen Monolithen von den Felswänden ab. Anscheinend werden wir von Steinwälder magnetisch angezogen, auch hier machen wir Picknick.

 

Picknick in Tinajani

 

Von Tinajani ist es noch eine Stunde Fahrt, bis wir die Sonnenroute erreichen und unsere Reise auf asphaltierter Straße fortsetzen. Etwas später als die Touristenbusse erreichen wir La Raya, den höchsten Pass auf 4.350 Metern. Für die sehenswerte Kolonialkirche in Andahuayllias und der archäologischen Stätte Raqchi ist es leider schon zu spät. Aber gut, man kann nicht alles in einen Tag quetschen. Bei Huarcapay nehmen wir den Abzweig nach Pisac, so müssen wir nicht extra durch den Verkehr von Cusco fahren.

 

Melissa Wasi in Pisac

 

Unsere Unterkunft „Melissa Wasi (mit großem Garten und Parkplatz) erreichen wir gegen 19:30 Uhr. Wir werden mit einem Kokatee begrüßt und machen es uns am Kamin gemütlich. Da wir alle einen etwas angeschlagenen Magen haben, steht für alle dieta de pollo (leichte Hühnersuppe) auf dem Speiseplan.

 

Tag 5: Von Pisac bis nach Ollantaytambo

Heute werden wir keine weite Strecke zurücklegen. Nach dem Frühstück fahren wir hinauf zum Eingang der archäologischen Stätte von Pisac (Boleto Turistico: 130 Soles Eintritt), eine der schönsten Inka-Anlagen, die ich kenne. Wir durchwandern den gesamten Komplex, staunen über die gigantischen Terrassen und laufen hinauf zum Aussichtspunkt.

 

In einer einstündigen Wanderung geht es dann über teilweise hohe Stufen hinab zum Dorf von Pisac. Auf diesem Weg sind wir wieder ganz alleine, denn die meisten Besucher fahren mit dem Tourbus zurück ins Tal.

 

Pisac und seine vielen Terrassen

 

In Pisac angekommen, erreichen wir direkt den bunten Kunsthandwerks-Markt. Wir schlendern durch die Gassen, bewundern bunte Textilien aus Schafs- und Alpaka-Wolle, filigrane Keramiken, Silberschmuck, Steine, alte Münzen und Filzhüte.

 

Kunsthandwerk auf dem Markt in Pisac

 

Eigentlich könnte ich alle Stände leerkaufen, doch ich widerstehe! Die Vorfreude auf das bevorstehende Mittagessen im „El Huacatay“ in Urubamba ist sooo viiiel größer. Wer hätte gedacht, dass man in einem Andennest wie Urubamba so exquisit essen kann? Aber ja! Dieses Restaurant ist die Repräsentation vom kulinarischen Schatz, den Peru mit seinen vielfältigen heimischen Zutaten zu bieten hat. El Huacatay liegt recht unscheinbar in einer Seitenstraße in Urubamba. Die genaue Adresse lautet Jiron Arica 620.

 

El Huacatay in Urubamba

 

Wir betreten das Restaurant über einen leicht verwilderten Garten und suchen uns direkt einen Tisch im Freien. Wir haben das „Menú turístico“ für 90 Soles (rund 23 Euro) gewählt.

 

Ich lasse mich überraschen von den verschiedenen Gerichten, eine gelungene Mischung aus peruanischer Küche auf Gourmet-Niveau mit regionalen Zutaten. Das ein oder andere „Wow, wie köstlich!!“ bleibt da nicht aus ;)

 

Einfach nur köstlich!


Carpaccio auf knusprigem Brot

 

Mit vollem Magen geht es im Anschluss weiter nach Ollantaytambo, wo wir die örtlichen Ruinen besuchen und im Anschluss in unser Hotel „Samanapaq (verfügt ebenfalls über einen hoteleigenen Parkplatz) einchecken.

 

Am Abend fahren wir mit dem Mietwagen zur „Cerveceria del Valle“ in Pachar. Diese Bierbrauerei liegt fünf Minuten vor Ollantaytambo und hat von Mittwoch bis Sonntag zwischen 12 und 20 Uhr geöffnet. Wir setzen uns an einen Tisch und bestellen eine Palette aus diversen Biersorten. So können wir die lokal produzierten Biere einzeln verkosten und auf unseren Roadtrip anstoßen! Salud!

 

Biersorten aus dem Heiligen Tal der Inka


Gruppenfoto der Roadtrip-Crew :)

 

Tag 6: Von Ollantaytambo bis nach Santa Maria

Wow, der letzte Tag von unserem Roadtrip! Obwohl Guido nicht gerast ist, verging die Zeit rasend schnell :) Heute wird wieder ein sehr langer Tag. Als erstes muss der Abra Malaga Pass überwunden werden. Eine kurvige aber asphaltierte Straße führt uns hinter Ollantaytambo Stück für Stück hinauf. Die Wolken hängen im Tal und versprühen diese mystische Atmosphäre, für welche die Anden so bekannt sind.

 

Hinauf zum Abra Malaga Pass


Andenmystik

 

Nach knapp einer Stunde erreichen wir den Pass und plötzlich versinken wir im grenzenlosen Nebel. Das ist sehr typisch für die Ostanden. Die Hitze vom Regenwald lässt Wolken entstehen, die dann gegen die Berge stoßen und sich abregnen. Der Zustand der Straße lässt auf der ersten Abfahrt zu wünschen übrig, ständig müssen wir aufgrund von tiefen Schlaglöchern abbremsen.

 

Nach einer halben Stunde lüftet sich der Nebel und gibt eine beeindruckende Sicht auf die Regenwälder frei. Mit jedem Höhenmeter, den wir hinabsteigen, wird die Vegetation üppiger und grüner. Alle Fenster sind geöffnet und warme Dschungel-Luft strömt ins Fahrzeug.

 

Plötzlich im Dschungel :)

 

Mein Herz hüpft als ich die ersten leuchtend grünen Bananenblätter am Straßenrand sehe, ich liebe die tropischen Bergregenwälder! Nach knapp drei Stunden erreichen wir das Haus von der Kaffee-Bäuerin Julia. Wir betreten ihren Hof und dürfen gleich beim Schälen und Auspressen von Orangen helfen. Denn es geht doch nichts über einen frischen Orangensaft!

 

Orangen schälen und auspressen

 

Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es auf Erkundungstour durch Julias Garten, wo wir sehen, wie Kaffee wächst, Kakao-Früchte, Maracuja, Avocado, Bananen und viele exotische Blumen. Auch die eben ausgepressten Orangen hängen hier am Baum. Julia zeigt uns, wie eine Kakao-Frucht von Innen aussieht und wie ihre Kerne schmecken. Nicht nach Schokolade, sondern fruchtig!

 

So wächst Kaffee …


Kaffee- und Kakao-Bäuerin Julia


So sieht eine Kakao-Frucht von Innen aus

 

Am liebsten würde ich noch mehr Zeit mit Julia verbringen. Sie hat einen aufgeschlossenen und witzigen Charakter, man fühlt sich durch ihre Art wie zuhause. Auch der Garten, die Hängematte und die gemütlichen Zimmer mit Gartenblick hätten mich fast zum Bleiben überredet. Aber unsere Reise führt uns wieder zurück nach Cusco.

 

Blick auf das Urubamba-Tal am letzten Tag unserer Reise …

 

Weitere Randnotiz: Unser Roadtrip endet mit der Rückfahrt nach Cusco. Normalerweise würde man jetzt von Santa Maria nach Santa Teresa weiterfahren, um zur Zugstation Hidroelectrica zu gelangen. Dort würde man das Mietwagen parken und in zwei Stunden entlang der Gleise nach Aguas Calientes wandern, um am nächsten Tag Machu Picchu zu besuchen. Fairaway verbindet deinen Besuch in Machu Picchu mit dem Besuch und der Übernachtung bei lokalen Kaffee- und Kakao-Bauern. Eine super schöne Weise Machu Picchu und seine tropische Umgebung kennen zu lernen!

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5 Kommentare
  • Frank Schumacher

    30. April 2018 at 10:20 Antworten

    Toller Bericht und schöne Bilder!! :-) Für diesen Urlaub (Mitte Mai) kommt die Mietwagen-Tour zwar nicht mehr in Frage, aber beim nächsten Mal kann man das ja mal angehen.. ;-)

  • Ann-Kathrin

    2. Mai 2018 at 19:30 Antworten

    Schöne Bilder.:) Wir haben es 2016 genauso gemacht mit ähnlicher Route und fanden auch die Flexibilität super.
    Ausserhalb Limas ging es auch wunderbar, aber ja die Polizisten halten einen schon gerne an. :)
    LG aus Bremen!

    Ps: Mein Highlightbild: der Feldmitarbeiter im Bremen Trikot :))

    • Nora

      2. Mai 2018 at 19:36 Antworten

      Liebe Ann-Kathrin,
      Danke für deinen Kommentar!
      Ja das grüne Trikot ist mir auch als erstes aufgefallen :)
      Saludos aus Cusco,
      Nora

  • Svenja

    5. Mai 2018 at 9:43 Antworten

    Liebe Nora,

    danke für deine ausführlichen Bericht! Das hilft uns sehr weiter :) könntest du uns noch etwas über einen realistischen Preis für einen Mietwagen sagen? Mit was müsst man da rechnen?

    Vielen Dank und liebe Grüße aus Hamburg nach Peru :)
    Svenja

    • Nora

      7. Mai 2018 at 21:09 Antworten

      Liebe Svenja,

      Das kann ich dir leider nicht sagen, da die Tour über die Reiseagentur Fairaway organisiert wurde.

      Mit lieben Grüßen aus Cusco,

      Nora

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