Kuelap: Das Machu Picchu des Nordens

Während sich die Touristen in Machu Picchu gegenseitig auf die Füße latschen, kann man im Norden von Peru eine der spektakulärsten archäologischen Stätten des südamerikanischen Kontinents – sagen wir mal “im Alleingang” – erkunden. Ich spreche von Kuelap, einer gigantischen Festung, 70 Kilometer südlich der Stadt Chachapoyas und hoch über dem Utcubamba Tal gelegen.

 

Das Machu Picchu des Nordens

Kuelap wird auch “Machu Picchu des Nordens” genannt – dabei schmäht das die wahre Größe dieser Stätte. Würde Kuelap auf sein Recht bestehen, würde es verlauten lassen: “Ich bin größer als Machu Picchu, ich bin älter als Machu Picchu. ich liege höher als Machu Picchu – und außerdem besuchen mich täglich rund 90% weniger Touristen, weshalb ich charmanter, günstiger und gelassener bin als Machu Picchu.”

 

 

Ich könnte stundenlang von Kuelap in die Ferne starren, so wie die überwucherten Urwaldbäume und Bromelien es tagein, tagaus tun. Kuelap gleicht einer Insel, die nicht etwa im Meer schwimmt, sondern auf 3.000 Metern Höhe in den nordperuanischen Anden auf einer Bergflanke thront. An den Rändern geht es steil, ja wirklich steil bergab. Umgeben ist Kuelap von tiefen und sattgrünen Tälern sowie weiten Bergketten, die mit zunehmender Entfernung bläulicher werden, um dann ganz und gar mit dem Himmel zu verschmelzen. Ich wünschte, ich wäre ein Vogel, damit ich diesen prächtigen Ort aus der Luft umkreisen kann. Stattdessen sitze ich hier im Schneidersitz, drehe an einem Grashalm und stelle mir vor, wie im 15. Jahrhundert die inkaischen Krieger mit Pfeil und Bogen sowie ihrem Sonnengott Inti in den Kordilleren wüteten, um die Chachapoya zum Kampf aufzufordern. Was muss hier los gewesen sein? Ob Panik ausgebrochen ist, oder waren die Wolkenmenschen – wie die Inka die Chachapoya später nannten – ganz ruhig? So vieles ist noch ungeklärt. Keiner weiß, woher die Chachapoya kamen und wie groß ihr Reich gewesen sein mag. Man datiert ihre Existenz auf 800 n. Chr. zurück. Nachdem die Chachapoya einen zermürbenden Verteidigungskampf gegen die Inka führten, wurden sie schließlich 1475 von ihnen besiegt.

 

 

Eine mysteriöse Kultur

Die Außenmauern von Kuelap sind 600 Meter lang, 120 Meter breit und 20 Meter hoch. Wie Risse ziehen sich tunnelartige Eingänge hinauf in das Trümmerfeld. Weist das auf eine Schutzburg zur Verteidigung hin? Oder war Kuelap, wie ebenfalls vermutet, ein religiöses Zentrum? Wie mir mein Guide Jeffrey erzählt, fließen die Mittel für wissenschaftliche Forschungszwecke nur unzureichend und deswegen “tappen wir immer noch im Dunkeln”, so sagt er. Waghalsige Theorien, die gibt es schon seit Jahren, doch sie bringen niemanden weiter. Es hält sich die Theorie, die Chachapoya würden von europäischen Seefahrern abstammen. Die runden Steinhäuser und Waffen der Chachapoya besitzen angeblich verblüffende Ähnlichkeit mit denen der Phönizier, Kelten und Balearen. Die Skelette der Chachapoya deuten auf einen ungewöhnlich großen Körperbau hin. Blond und hellhäutig sollen sie obendrein gewesen sein. Für europäische Wurzeln gibt es jedoch keine handfesten Beweise. Auch der peruanische Staat möchte von diesen Thesen nichts wissen, schließlich rüttelt das ordentlich am eigenen Selbstverständnis. Man stelle sich nur mal vor, in welchem Schatten die Inka ertrinken würden, wenn es hieße, die Chachapoya stammten von den Kelten ab!

 

 

Chachapoyas, Utcubamba, Kuelap

Kuelap hat mich unglaublich fasziniert. Allein die Fahrt hierher war eine Sensation! Am frühen Morgen habe ich bei offenem Fenster noch den Fahrtwind im berauschend pittoresken Utcubamba Tal genossen, dann ging es auf verstaubten Serpentinen kontinuierlich höher und höher. Etliche Male versuchte ich, mit der Kamera den Blick aus dem Fahrzeug festzuhalten, doch wir wurden auf der Schlagloch-Piste ordentlich durch-ge-ge-ge-schütt-t-t-elt. Irgendwann erreichten wir dann den schwerzugänglichen Bergrücken und wanderten noch eine halbe Stunde hinauf zur Festung. Was mich so reizt, müssen die ergreifende Schönheit dieser weitläufigen Andenwelt sowie der märchenhafte Wald sein. Neben den meterhohen Wänden dieser Festung wirkt man wie eine winzige Ameise und die vielen versteckten Symbole sowie Details erzählen eine ganz eigene Geschichte. Wir können uns einen eigenen Reim darauf machen oder mit der Wissenschaft mitfiebern.

 

Mir jedenfalls drängt sich das Gefühl auf, als wären die Wolkenmenschen erst gestern von diesem Ort geflohen, für immer über alle Berge.

 

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Hola! Ich bin’s die Nora, das Gesicht hinter Info-Peru.

Ich habe über zwei Jahre bei lokalen Reiseagenturen in Cusco gearbeitet und bin schon viel durch Peru gereist. Für mich bedeutet dieses Land „Vielfalt“. Vielleicht ist es die peruanische Höhenluft, die mich zum Schreiben inspiriert – auf jeden Fall könnte ich mir nichts schöneres vorstellen.

 

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2 Kommentare
  • Tanana

    10. Januar 2017 at 18:12 Antworten

    Hi Nora,
    ich finde es super, dass Du den Norden/ Inland von Peru hier so schön vorstellst, da dieser unglaublich schön ist. Jeffrey hatten wir auch 2x als Guide und kann ihn auch nur wärmstens empfehlen! Ich mache auch gern Werbung für das Backpapers Hostel, da wir als Familie mit Kind -4 Jahre- super familiär aufgenommen worden sind und der Ort und die Umgebung ist einfach traumhaft schön. Toll fand ich auch, dass Du Moyobamba und Tarapoto bereist hast.
    LG Tanana

  • Corazon

    22. Februar 2017 at 0:16 Antworten

    In wenigen Wochen geht genau in Kuelap die erste Seilbahn Perus in Betrieb!

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