Die Inkabrücke Q’eswachaka: Eine Hängebrücke aus Gras

Wir kennen Brücken aus Stahl und Brücken aus Beton. Aber eine Brücke aus Gras? Das kann unmöglich halten. Aber was ist, wenn doch? In der Provinz Canas, drei Stunden südlich von Cusco, hängt der Beweis: eine 28 Meter lange Hängebrücke, gefertigt aus Gras, und wirklich nur aus Gras. Die goldene Brücke überspannt in 15 Metern Höhe den Fluss Apurímac, der sich reißend seinen Weg durch die Steinschluchten der Anden bahnt, immer umgeben von seidengrünen Bergen. Die Rede ist von der Inkabrücke Q’eswachaka, die sich von Cusco aus besuchen lässt.

 

Die Inkabrücke Q’eswachaka

Inkabrücke Q’eswachaka

 

Die Inkabrücke Q’eswachaka

Verantwortlich für dieses geniale Bauwerk sind, wie soll es anders sein, die Inka. Hängebrücken aus Gras waren vor 500 Jahren ein wichtiger Bestandteil des sogenannten „Qhapaq Ñan“, dem Verkehrsnetz der Inka. Dieses Geflecht aus Straßen, zu dem auch der „camino Inca“ (Inka-Trail) gehört, vereinte das Inka-Reich von Süd nach Nord, über 6.000 Kilometer.

 

Dank der Inkabrücke konnten die Bewohner umliegender Dörfer – damals wie heute –, den gefährlichen Fluss Apurímac überqueren. Wie viele Bauwerke im Reich der Inka wurde auch Q’eswachaka mit Eroberung der Spanier zerstört, später jedoch wieder neu errichtet.

 

Aber wie kann eine Brücke aus Gras überhaupt halten? Es ist eine bestimmte Technik, mit der die Frauen das Gras flechten. Dabei handelt es sich nicht um irgendein Gras, es ist das goldene Qoya-Gras, das nur in höheren Andenlagen wächst, besonders robust ist und jährlich im Juni geschnitten wird. Aus den Halmen flechten die Frauen meterlange Zöpfe, eine Handwerkskunst, die von der UNESCO 2013 zum immateriellen Weltkulturerbe ernannt wurde.

 

Inkabrücke Q’eswachaka

 

Da Gras kein Material ist, welches ewig hält, wird die Brücke jedes Jahr im Juni neu gebaut. Dieses Event ist ein großer Höhepunkt der knapp 700 Menschen, die in den umliegenden Gemeinden Hunchiri, Chaupibanda, Choccayhua und Ccollana Quehue leben.

 

Alle Bewohner sind beim Neubau involviert. Die Männer durchtrennen die Seile und lassen die Brücke in die Fluten stürzen. Sie hat nun ein Jahr lang ihre Dienste geleistet. Währenddessen flechten die Frauen eifrig die neuen Seile – aus der Distanz, denn sie dürfen sich der Brückenbaustelle nicht nähern, das würde laut Inkaglauben Unheil bringen. Wenn die Brücke neu geflochten ist und die Männer das Geflecht über den Fluss gespannt haben, wird die Grasbrücke durch Opfergaben und unter Weihrauch zeremoniell eingeweiht. Danach dürfen auch die Frauen die Brücke überqueren. 

 

Die Inkabrücke ist 1,20 Meter breit. Da Gegenverkehr ein eher ungünstiges Unterfangen darstellt, ist die Brücke nur auf einer Seite und in eine Richtung zu betreten. Wenn der Eintritt von 10 Soles bezahlt ist, darf man sich mit Babyschritten über die wackelige Brücke tasten, Höhenangst sollte man besser nicht haben. Ein Blick in die Tiefe lohnt sich aber: das glitzernde Wasser wirkt friedlich und die Angst löst sich in Luft auf.

 

Inkabrücke Q’eswachaka

 

Zurück bleibt pure Faszination für dieses Bauwerk, geschaffen im Zusammenspiel von Natur und menschlichem Geschick. Bewundernswert, wie die Einheimischen ihre Traditionen pflegen und wie stolz sie sind, Besuchern ihr Kulturerbe zu präsentieren.

 

Lage und Besuch der Inkabrücke

Die Inkabrücke befindet sich drei Stunden südlich von Cusco in der Provinz Canas. Es ist umständlich, die Brücke mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, wenn auch möglich. Zunächst fährt man im öffentlichen Bus in Richtung Puno, steigt aber unterwegs in Combapata aus. Von dort muss man in das Dorf Yanaoca gelangen und dann weiter südlich bis nach Quehue. Hier und da fahren Kombis oder Sammeltaxis, aber die Fahrt kann sich verzögern und eventuell ist es nicht möglich, die Brücke an einem Tag zu besuchen.

 

Wer mutig ist, lässt sich auf dieses Abenteuer ein und übernachtet eine Nacht bei einer einheimischen Familie in den Gemeinden der Hängebrücke. Den Bewohnern sind ausländische Besucher nicht fremd, da jährlich im Juni hunderte Menschen zur Einweihung der Brücke kommen und bei den Einheimischen übernachten. Eine schöne Gelegenheit, die Andenbewohner näher kennen zu lernen.

 

Zu Besuch bei Einheimischen in Tumi

 

Wer weniger Zeit im Gepäck hat, dem empfehle ich eine Tagestour mit Go Get Peru. Du kannst die Inkabrücke mit dem Besuch der „4 Lagunas“ verbinden und/oder mit einem Homestay bei einer einheimischen Familie. In der Region Pomacanchi befindet sich die alte Inka-Ruine Waqrapukara, die sich durch einen sechsstündigen Fußmarsch über die Anden erreichen lässt.

 

Weiterführende Links:

Die ARD hat vor ein paar Jahren eine schöne Reportage über die Inkabrücke aus Gras veröffentlicht: https://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/videos/peru-die-grasbruecke-100.html

 

Márk reist viel durch Südamerika und beschreibt in seinem Erfahrungsbericht, wie er die Inkabrücke auf eigene Faust besucht hat: http://lifeisalongweekend.info/de/peru-de/qeswachaka/

Nora

Nora

Reiseautorin & Fotografin

 

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