Peru: Eine Anekdote über das Lama im Vorgarten

Wenn mich nicht alles täuscht, steht ein Lama in meinem Garten. Es steht dort gemütlich herum und frisst mit seinem leicht schiefen Gebiss die Äste und Blätter von unserem Busch ab, während es mir einen “Wer-bist-du-denn-Blick” mit seinen tiefschwarzen und halbgeöffneten kugelrunden Augen zuwirft. Nicht jeder kann behaupten, ein Lama in seinem Garten zu haben – vielleicht einen Gartenzwerg, einen Hund oder meinetwegen auch ein Pony aber kein Lama. Freundlich erkundige ich mich bei meinem Gast, was es hier bitteschön verloren hat, als würde es mir darauf eine Antwort geben. Ich mache ein paar Beweisfotos, falls mir das später keiner glaubt und wundere mich, wie sich das Lama auf unseren Hof verirrt hat. Springen können diese Tiere weder in meiner Vorstellung noch im realen Leben. Dieses Lama hatte definitiv einen Komplizen. Santusa, die Hausangestellte, berichtet mir, das Lama sei von ihrer Cousine. Sie und ihr Lama kommen jeden Tag nach Cusco, um sich mit den Touristen fotografieren zu lassen. Das ist ihr Job. Jetzt muss ihre Cousine aber ein dringendes Bankgeschäft regeln und soweit sie weiß, sind in der Bank keine Lamas erlaubt. Das macht Sinn. Das Lama ist bei uns nur zwischen geparkt und geht dann wieder. Irgendwie schade, denn fast hätte ich mich an den Anblick des Lamas in meinem Garten gewöhnt. Schnell mache ich noch ein paar Fotos – gratis –, bevor das Lama als Touristenattraktion ins Zentrum verschwindet.

 

Lamas in Peru

Lamas stehen nicht nur in Vorgärten herum, sie verirren sich auch mal in den Gepäckraum von Überlandbussen, laufen draußen vor dem Internet-Café vorbei, man sieht sie in Machu Picchu, auf Wanderungen durch die Anden, im peruanischen Fernsehen, als Plüschtiere im Laden, auf Postkarten – ich denke nur an das berühmte Motiv “Indigener mit Panflöte und seinem Lama”, welches der peruanische Fotograf Martin Chambi fotografierte –, als Himmelsbild in der Milchstraße und als lebendige Foto-Objekte in touristischen Zentren wie Cusco, Arequipa – ja selbst in Lima habe ich schon Lamas gesehen. Doch im Tiefland auf Meeresniveau fühlen sich die flauschigen Tiere gar nicht wohl. Am liebsten tummeln sie sich in Horden – Lamas sind Gemeinschaftstiere – in ihrem natürlichen Lebensraum in Höhen über 2.500 Meter, da wo die Luft dünn und das Land üppig mit Gräsern und Flechten bewachsen ist.

Alpakas in Maran Paki

Die Bedeutung vom Lama

Das Hochland von Peru war seit jeher das Zentrum der Domestikation von Lamas. Bereits vor 4500 Jahren wurden Lamas für zahlreiche Zwecke aus dem Guanako, ihrem Vorgänger, gezüchtet. Aufgrund des robusten Körperbaus diente das Lama dem Menschen als Tragetier, welches über weite Distanzen Waren transportieren konnte. Es war auch ein Lieferant für Fleisch, Fett sowie Wolle und die Extremente der Lamas wurden als Brennstoff genutzt. Unter den Inka entwickelte sich ein überregionales Handelsnetz und den sogenannten Lamakarawanen kam eine wesentliche Rolle zu. Dank der Lamas konnten Produkte aus dem Regenwald in die Anden gelangen, darunter Heilpflanzen, Federn und exotische Früchte. Von der Küste kamen Fisch und Meeresfrüchte hinauf in die Berge und aus den fruchtbaren Tälern der Anden wurden Mais, Kartoffeln und Bohnen in entfernte Gebiete transportiert. Was wären die Inka bloß ohne ihre Lamas gewesen? Sicher nicht die mächtigste Hochkultur Südamerikas. Das ist auch der Grund, weshalb die Inka ihr Lama verehrten, kleine Lama-Statuen aus Gold fertigten, das Lama in der Milchstraße sahen und die besten und schönsten Lamas ihren Göttern und ihrer Erd- und Muttergöttin Pachamama opferten.

 

Wie unterscheidet man Lama und Alpaka?

Gern wird das Lama mit dem Alpaka verwechselt. Beide sehen sich sehr ähnlich, obwohl das Lama vom Guanako abstammt und – wie erst seit wenigen Jahren durch DNA-Tests erwiesen – das Alpaka vom Vicuña. Das Lama ist größer und stämmiger als das Alpaka und besitzt bei genauerem Hinsehen bananenförmige Ohren, wohingegen die Ohren vom Alpaka wie Speerspitzen aussehen. Aus dem schnell wachsenden Fell vom Alpaka wird dreimal so viel Wolle gewonnen wie beim Lama, weshalb man es vorrangig wegen seiner Wolle züchtet. Die feinsten Naturfasern der Welt entstammen übrigens dem Vicuña. Ein paar Socken aus dem geschmeidigen Stoff werden auf dem Weltmarkt für 800 bis 1000 Euro gehandelt.

 

Spucken Lamas?

Und abschließend noch die Antwort auf die häufige Frage, ob die Gefahr besteht, von einem Lama oder Alpaka angespuckt zu werden? “Jein.” Eigentlich bespucken die Andenkamele nur ihre Artgenossen. Das ist ein völlig normales Verhalten, um zu zeigen, wer innerhalb der Gruppe das Sagen hat. Doch wenn sie sich durch einen aufdringlichen Menschen belästigt fühlen oder gar Angst verspüren, dann kann man schon mal Opfer einer Lama-Alpaka-Spuck-Attacke werden.

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3 Kommentare
  • Daniel

    13. August 2016 at 7:34 Antworten

    Hi Nora, schöner Artikel. Aber die Frage heißt: spucken Lamas? Es sind ja keine Gespenster. Oder doch? ;-)

    LG Daniel

    • Nora

      13. August 2016 at 8:37 Antworten

      Hi Daniel,

      das wäre ja witzig!! Haha, danke für den Hinweis ;)

      Saludos,

      Nora

  • Sylvia Grossmann

    15. August 2016 at 13:38 Antworten

    Einen Spuckmeister findest du im Kameliden-Kleinzoo der Firma Mitchell in Arequipa. Dort lebt u.a. ein Guanaco (ich nenne ihn Mr. Spuck…), das oft und gerne spuckt. Die Spucke (auch ich hatte sie mal in den Haaren, scharf am Auge vorbei), ist durchsetzt mit Strohschnipseln und riecht nach Galle…
    Aber sonst sind Llamas und Alpakas SEHR friedliche Zeitgenossen. Guanacos sind ja auch deutlich größer als Llamas.
    Te llama la llama….
    Un abrazo
    Sylvia

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