warum_wir_peru_so_lieben

Warum wir Peru so lieben!

Warum eigentlich Peru?

 

Ich liebe diese Frage.

 

Meist sage ich, na die Landschaften, die Menschen und das Essen. Aber wirklich tiefgründig ist diese Antwort nicht. Es ist mehr ein Gefühl – nur wie soll ich das jetzt erklären?

 

Ariane von Heldenwetter und Anne von Going-Vagabond, beides Reisebloggerinnen, die Peru lieben und schätzen gelernt haben, sind mit mir aufs Gedanken-Karussel aufgestiegen. Gemeinsam haben wir uns Gedanken gemacht, was wir eigentlich an Peru so, sagen wir mal „sau symphatisch“ finden.

 

Ein paar Zusatzgedanken hat sich auch Florian Felsing gemacht. Er ist eifriger Info-Peru-Leser und lebt gerade wieder eine Zeit in Lima, Peru. Seine Erfahrungen möchte ich euch nicht vorenthalten :)

Sie nennen mich „Ihre Königin“

Nora sagt: Jeder Typ Mensch bekommt eine Bezeichnung. In Deutschland gehen uns schnell die Wörter aus. Wenn wir jemanden ansprechen, verwenden wir meist Frau oder Herr. Fräulein ist schon längst aus dem Sprachgebrauch verschwunden und was bleibt noch? Nicht viel. Das wäre auch überhaupt kein Problem für mich, wenn mir nicht aufgefallen wäre, wie das eigentlich in Peru so ist. Da ist Anonymität sowieso ein Fremdwort. Wir fühlen uns schneller zu einer Person verbunden, wenn sie uns mit einer speziellen Bezeichnung anspricht… und diese werden meist mit viel „cariño“ (Liebe) gesagt. Hier ein paar Beispiele, was ich eigentlich meine.

 

„Señora“ (Frau) und „Señor“ (Herr) wird natürlich viel gesagt, wie in Deutschland auch. Zu einem jüngeren Menschen, den man etwas zuruft, sagt man „joven“ (Jüngling) bzw. „jovencita“ (weibliche Form). Gern werden Fremde auch als „amigo“ (Freund) angesprochen. Auf dem Markt kann es sein, dass dir die Verkäufer „Mami“ (auch wenn du keine bist) oder „Papi“ (auch wenn du keiner bist) zurufen. „Casera“ ist die Marktfrau in Peru und „Señito“ wird ebenfalls zu älteren Frauen gesagt.

 

Auch Verliebte können in Peru auf einen großen Wortschatz zurückgreifen. „Mi reina“ (meine Königin), „mi princesa“ (meine Prinzessin), „mi amor“ (meine Liebe), „mi vida“ (mein Leben), „mi estrella“ (Mein Stern) und so weiter. Wenn es etwas cooler sein darf, dann sagt man „mi flaca“ (mein Mädchen/Freundin) oder „mi flaco“ (mein Junge/Freund).

 

Aber du brauchst dich auch nicht wundern, wenn du von älteren Personen (ohne Hintergedanken) einfach liebevoll „mi reina“ oder „mi amor“ genannt wirst. Das ist einfach nur ein Ausdruck, dass sie besorgt um dich sind und du ihnen sympathisch bist ;)

 

Freunde sagen einander: „mi pata“,  „mi causa“ oder „mi broder“ (vom englischen brother). Ziemlich oft sagen männliche Freunde zu einander „huevon“ aber ohne „mi“ – das ist so ein Lückenfüller wie „Alter“ im Deutschen ;)

 

Eltern sprechen ihre Kinder mit „mi hijo“ (mein Junge) und „mi hija“ (meine Tochter) an. Und natürlich gibt es auch für die lieben Ausländer eine Bezeichnung. So nennen uns die Peruaner „gringo“ (männlich) und „gringa“ (weiblich). Wenn es wirklich von Herzen kommt, dann sagen sie „gringito“ und „gringita“ :)

 

Anne fügt hinzu: Am Anfang war ich etwas erstaunt über die Spitznamenkultur. „El negro“, der Schwarze, oder auch „el chino“ (der Chinese, der kann übrigens auch aus Japan, Korea, Vietnam oder so kommen, in Peru sagen sie einfach zu allen „chino“). Was man in Deutschland als unangebracht und vermutlich auch rassistisch empfindet, ist in Peru normal. Der Vater einer peruanischen Freundin kommt aus Japan und sie hat leicht japanische Züge? Dann ist sie „la china“. Und keiner nimmt das als Beleidigung oder diffamierend war (zumindest ist mir das nie so aufgefallen). 

 

Genauso wie bei „la gordita“ (das Dickerchen). „El gordo Frank“ ist ein Kumpel, der ja, zugegeben, natürlich irgendwie etwas dicker ist. Er wird aber nie nur „Frank“ genannt, nein, es ist „el gordo Frank“. Und er selbst findet das genauso wenig schlimm wie „la china“. Spitznamen werden nach Äußerlichkeiten gegeben, da kann es schon mal sein, dass man als „la gringa“ mit „el chato“ (der Kleine) und „el negro“ (der Schwarze) zusammen abends ein Bier trinkt.

 

Es sind die vielen kleinen Dinge

Ariane sagt: Es gibt so viele kleine Dinge, die Peru und Lima so sympathisch machen. Die verrückten Verkäufer in den Bussen, Inca Kola und Bembos als peruanische Fast Food-Antwort, die Michael-Jackson-Interpreten am Jirón de la Unión, der Charlie Chaplin von Miraflores, der an der Ampel zur Begrüßung seinen Hut hebt, die eiskalte Luft in den Bergen, die einem noch viel frischer vorkommt, wenn man aus dem limensischen Smog angereist ist …

 

Ein Küsschen bitte.

Anne sagt: Ich mag die peruanische Begrüßung (ein Küsschen auf die Wange) zwischen Freunden und Bekannten. So hat man fast nie ein Problem, wie man sich begrüßen soll. Wo man in Deutschland tausendmal überlegt „Umarme ich den jetzt, oder geb’ ich die Hand oder gar nichts“ gibt’s ein Küsschen auf die Wange und alles ist geklärt.

 

Sag einfach „Baja“

Florian sagt: Wenn man es nicht gerade mit einem Busfahrer zu tun hat, der preußische Tugenden zur Maxime seines Handelns ernannt hat (oder der Freund und Helfer gerade am kontrollieren ist), braucht man sich nicht die Mühe machen, bis zur nächsten Bushaltestelle zu laufen. Einfach winken, wenn der Bus vorbeikommt und an Bord springen.

 

Beim Aussteigen läuft es genauso unkompliziert –  auf Haltestellen zu warten ist etwas für Touristen! Wer zum richtigen Zeitpunkt „baja“ ruft, der kann auch an jeder esquina (Ecke), jeder puente (Brücke) und jeder semaforo (Ampel) aussteigen.

 

Es wird einfach alles verniedlicht

Nora sagt: Das mag zwar in den Anden stärker sein als in Lima aber generell neigen die Peruaner dazu Wörter zu versüßen. So wird aus der Katze, das Kätzchen „gatito“, aus dem Laden, das Lädchen „tiendita“, aus der Ecke, das Eckchen „esquinita“ und aus Essen, Esschen (wenn das im Deutschen überhaupt geht) „comidita“. So könnte dann folgender Satz klingen: „Hay que comprar comidita para el gatito en la tiendita de la esquinita“ – Wir müssen das Fresschen fürs Kätzchen in dem Lädchen am Eckchen kaufen ;)

 

Anne fügt hinzu: Peruanisches Spanisch hat seine unzähligen Verniedlichungen, aber ebenso existiert auch das Gegenteil, und aus „loco“ (verrückt) wird „locazo“ (super verrückt). Das funktioniert nicht nur mit Adjektiven, sondern mit allen möglichen Wörtern. Eine „camionetasa“ ist also ein ne richtig coole Karre, und nicht einfach nur ein Auto (camioneta).

 

Magie gehört zum Alltag

Ariane sagt: Was mich an Peru am meisten fasziniert, dass hier das Magische noch zum Alltag gehört. Auch in Lima, einer modernen Millionenstadt, muss man nicht lange nach Schamanen und Kartenlegern suchen. Geister sind ganz normale Mitbewohner und dass Aliens die Nasca-Linien geschaffen haben, steht für den Großteil der Peruaner außer Frage.

 

Es wird niemals langweilig

Florian sagt: Peru hat ohne Zweifel seine Probleme (wie jedes andere Land auch) – aber Langeweile gehört ganz sicher nicht dazu. Entweder es steigt irgendwo eine größere oder kleinere Fiesta oder irgendein anderes Event.

 

Oder aber man unterhält sich damit, die Probleme des Alltags zu lösen. Zum Beispiel, dass der Kundenservice von Claro (Mobilfunkanbieter) es auch nach einer Woche nicht schafft, das mobile Internet zu aktivieren. Oder dass einem ohne Vorwarnung der Strom abgedreht wird, weil man mit einem Nachbar verwechselt wurde, der seit drei Monaten keine Rechnung mehr beglichen hat.

 

Solche Probleme muss man natürlich mit Humor nehmen, wenn man hier für längere Zeit bleiben will – dann tragen auch diese dazu bei, dass man sich niemals langweilt.

 

Geht nicht – gibt’s nicht.

Anne sagt: In Peru gefällt mir vor allem der Umgang der Menschen untereinander. Besonders wenn es darum geht, dass sie irgendwas wollen, was sie aber gerade eigentlich nicht bekommen können. Dann wird geredet und geredet und gebettelt und nochmal gebeten. Ein „Nein, tut mir Leid, wir haben für heute geschlossen“ zählt für Peruaner nicht. „Ay por favor Señora“ wird mit einem Hundeblick gebettelt, bis die Señora dann vielleicht doch nochmal schnell ihren Laden aufschließt um einen Liter Milch zu verkaufen. Geht nicht – gibt’s nicht, scheinen die Peruaner zu denken und überreden solange, bis der andere sich geschlagen gibt.

 

Man spricht NICHT über das Wetter

Nora sagt: Für mich ist es fast schon eine Art Lebensqualität nicht jeden Tag über das Wetter reden zu müssen. Letzten Sommer in Deutschland war das nämlich so:  30 Grad, purer Sonnenschein. Endlich ist der Sommer da, den alle so langersehnt entgegen gefiebert haben. Und was höre ich? „Oh es ist viel zu warm.“ Am Wochenende werden es 35 Grad, eigentlich sollte man besser zu Hause bleiben, sich bloß nicht bewegen, man könne ja schwitzen. Dabei haben die Meteorologen doch vorher gesagt, dass der Sommer ins Wasser fällt (und was hätte man sich dann wieder anhören dürfen). Das Wetter hat schon immer gemacht, was es wollte. Die Peruaner wissen das besser :)

 

Einfach „Machen-Einstellung“!

Ariane sagt: Zum anderen liebe ich den Pragmatismus und die „Machen!“-Einstellung vieler Menschen in Peru. Ich habe das Gefühl, in anderen Ländern und Kulturen ist es weit verbreitet, Probleme auf andere zu schieben und viele können sich eigene Fehler nicht eingestehen. In Peru sagt man stattdessen: „Es läuft noch nicht so gut, aber wir können das ändern.“ Besonders oft habe ich dazu noch gehört: „Es un proceso!“, es ist ein Prozess, und das stimmt – das Land ändert und verbessert sich so schnell, dass man dabei zusehen kann.

 

Gutes Essen kostet nicht viel Geld

Florian sagt: Für knapp über 2 € ein gesundes und reichhaltiges Essen zu sich nehmen? Das schafft man in Deutschland in der Regel nicht einmal in der subventionierten Uni-Mensa.

 

In Peru kann ich mir von einem Restaurant in meiner Nachbarschaft ein wirklich leckeres und gesundes Essen für knapp über 2 € direkt an meine Haustüre liefern lassen.

 

Letzteres ist noch ein anderer Aspekt, der mir sympathisch ist – sehr viele Restaurants, zumindest in Lima, machen delivery. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass man sich manchmal zum Wohle der Gesundheit dazu zwingen muss, Strecken zu Fuß zu gehen. Auch wenn das Restaurant delivery anbietet, der Bus an jeder beliebigen Stelle hält und auch das Taxi nur ein paar Euro kostet.


 

Und – was ist es, was du so „sau-sympathisch“ an Peru findest?

 

Rein damit in die Kommentare!

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Hola! Ich bin’s die Nora, das Gesicht hinter Info-Peru.

Ich habe über zwei Jahre bei lokalen Reiseagenturen in Cusco gearbeitet und bin schon viel durch Peru gereist. Für mich bedeutet dieses Land „Vielfalt“. Vielleicht ist es die peruanische Höhenluft, die mich zum Schreiben inspiriert – auf jeden Fall könnte ich mir nichts schöneres vorstellen.

 

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3 Kommentare
  • elli

    20. Februar 2016 at 17:18 Antworten

    schöner beitrag! Ich habe gelesen, dass in Peru bald Wahlen sind, magst du vl deine Sicht der politischen Lage vor Ort schildern? Wär super spannend! :)

    • Nora

      22. Februar 2016 at 9:36 Antworten

      Hallo Elli!

      Danke für dein Kommentar.

      Die politische Lage in Peru ist stabil, die Wirtschaft wächst, dennoch kämpft Peru mit vielen Probleme, wie der Korruption und einer sehr hohen Armut. Die Schere zwischen Arm und Reich ist sehr groß, was zu Unzufriedenheit und Kriminalität führt. Das Thema ist sehr komplex und passt nicht in ein Kommentar. Wenn du dich für die politische Lage interessierst, würde ich dir diese Seiten empfehlen:
      http://www.bpb.de/izpb/8091/lateinamerika
      https://amerika21.de/geo/peru
      http://latina-press.com/lateinamerika/peru/

      Liebe Grüße

      Nora

  • Ariane

    22. Februar 2016 at 21:09 Antworten

    Der Beitrag ist wirklich toll geworden :)

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